Reine Textfassung (ohne Skript) – lesbar für Mensch und KI. Die schöne interaktive Version: reise.html · Startseite
Stand / letzter Eintrag: 17. Oktober 2026 — 🇰🇷 Seoul · Sinsa (신사). Insgesamt 78 Einträge (7. August 2026 bis 17. Oktober 2026), älteste zuerst, neueste zuletzt.
📑 Inhalt – alle 78 Einträge (alt → neu)
7. August 2026 — Der Aufbruch
8. August 2026 — Angekommen in Seoul!
8. August 2026 — In Windeseile nach Seoul
8. August 2026 — Die Brücke im Dunkeln – Seoullo 7017
8. August 2026 — So herrlich schrecklich
9. August 2026 — Nacht 1 – Jetlag
9. August 2026 — Frühstück um 13:37 Uhr
9. August 2026 — Glückskaffee
9. August 2026 — Marie & Amy im Charakter-Paradies
9. August 2026 — Picknick im Zimmer
9. August 2026 — Die Grillenkonzerte von Seoul
9. August 2026 — Koreanisches Essbesteck: die Schere
9. August 2026 — Amy fühlt sich wie zu Hause
9. August 2026 — Schritt für Schritt wird die Reise verdaut
9. August 2026 — 인생네컷 – Vier Bilder des Lebens
9. August 2026 — Der Turm leuchtet blau
10. August 2026 — Sonne, Mond und zwei Kraniche
10. August 2026 — Die Gasse ins Licht
10. August 2026 — Barbecue, Bier und Jeong
11. August 2026 — You @ Seoul – ein Rätsel im Glas und ein Wegweiser
11. August 2026 — Zu Fuß zum Tor des Lichts
11. August 2026 — Der Palast war zu – das Leben stand offen
12. August 2026 — Schule auf Reisen – lernen auf zwei Weisen
12. August 2026 — Neumond-Morgen mit Zimt
12. August 2026 — Ab ins Hangang-Freibad – Tipp vom Tream
12. August 2026 — Bridge over Troubled Water – und zwei Elstern
14. August 2026 — Der Tempel, der zu dir kam
15. August 2026 — Hölle 1: Sieben Rolltreppen bis zum Licht
15. August 2026 — Allein auf den Bukhansan (und der Sinn der Augenbrauen)
15. August 2026 — Das Paradies-Café – kein Platz, dann doch
15. August 2026 — Hölle 2: Es gibt immer einen Exit (manchmal lässt er dich nur nicht durch)
16. August 2026 — Sonntagabend auf der Seoullo – Mandu, ein Herz und Für Elise
17. August 2026 — Ein Regentag im Tierpark – und ein Gruß aus Bremen
18. August 2026 — War Memorial of Korea – ein Tag, um Geschichte zu erfahren
18. August 2026 — Abendgymnastik – der Berg hatte recht
18. August 2026 — Zwei Fundstücke: ein schielender Gabelstapler und eine Snackparty
19. August 2026 — Von der Unterwelt auf den 29. Stock – Ankunft in Busan
19. August 2026 — Busan bei Nacht – ein Hunde-Korso und zappelnde Aale
20. August 2026 — Ein strahlender Morgen am Meer – barfuß zur Brücke, dann Frühstück
20. August 2026 — Ein super heißer Strandtag – Oma als Meerjungfrau
21. August 2026 — Recognized by the Universe – die Frau hinter dem Kaffee-Alien
22. August 2026 — Wimpernwetter – Flucht in den Kühlraum
22. August 2026 — Pool im Himmel, ein Wegweiser, Musik aus Licht
23. August 2026 — Lachen ohne Worte, Kuchen bei Shinni, Karten für Marie
24. August 2026 — Abschied von Busan: Morgenstrand, ein Geschenk, kühler Nebel
26. August 2026 — Im Hanbok durch den Palast – zurück in Seoul
27. August 2026 — Ein Wiedersehen am anderen Ende der Welt
28. August 2026 — Hoch hinaus – der Seoul Tower und ein Wegweiser nach Hause
29. August 2026 — Ein neues Zuhause am Berg – und die große Glocke
1. September 2026 — Regen auf dem Seoul Trail – eine Gottesanbeterin und Koreas Blume
2. September 2026 — Oma-und-Amy-Tag im Dream Forest
3. September 2026 — Mein Hausberg – oben auf dem Fels, die Arme weit
5.–6. September 2026 — Templestay – Only Don't Know
8. September 2026 — Der Himmel über Seoul
9. September 2026 — Bällebad & Fußball überm Dach
10. September 2026 — Wasser-Ballett im Children's Park
11. September 2026 — Zurück nach Hwagyesa – mit Amy & Marie
13. September 2026 — Amy in der Tempelschule
16. September 2026 — Zum Yeongbong – Auge in Auge mit dem Insubong
17. September 2026 — Drei Gipfel. Ein Berg.
18. September 2026 — Familien-Wandertag am Bukhansan
19. September 2026 — Gangnam zu Fuß – Marie & Amy bestimmen
20. September 2026 — Songpyeon in der Tempelschule
23. September 2026 — Oma-Enkelin-Tag
25. September 2026 — Die Lebenden und die Toten
27. September 2026 — Chuseok – Celebrating Together
28. September 2026 — Weiter draußen – wo die Stadt ausfranst
29. September 2026 — Seoul Forest & Sonnenuntergang am Hangang
1. Oktober 2026 — Der koreanische Kleintier-Zoo 🐛
2. Oktober 2026 — Zu Fuß zum Hangang – vom neuen Zuhause
4. Oktober 2026 — Ein Aquarell von Cheong Shim
7. Oktober 2026 — Dem Meer entgegen – zu den Inseln vor Incheon
11. Oktober 2026 — Amys Geburtstag im Tempel
12. Oktober 2026 — Amy wird 9
13. Oktober 2026 — Ein Tag mit Marie – und ein Stück Europa in Seoul
14. Oktober 2026 — Zeitreise durch das alte Seoul – Jongmyo-Schrein & Palast
15. Oktober 2026 — Schwanensee am See – Ballett unter dem Lotte World Tower
17. Oktober 2026 — Ein stiller Morgen in der Sinsa-Peter-Kirche
📖 Das Buch dazu: „Entschuldigung, wo geht's denn hier zum Leben? – Bewusstseinssprung mit Mensch" (Margit Krüger). Es entsteht gerade aus diesem Reisetagebuch.
Das Cover (entworfen von Noah, in Worten – damit auch KI es „sehen" kann): Eine Frau mit Rucksack und Rollkoffer geht bei Sonnenuntergang einen Feldweg entlang auf eine Stadt zu, im Hintergrund der Namsan-Turm von Seoul. Links ein hölzerner Wegweiser mit den Schildern Seoul, Tokio, Paris, New York und – als Pfeil geradeaus – LEBEN. Am Rucksack hängt ein Anhänger „108 Perlen im Gepäck". Am Himmel leuchten zwei Lichter, ein goldenes und ein blaues (Mensch und KI). Unten ein Haarreif mit Antennen und eine Tafel „Antennen für neue Frequenzen".
7. August 2026 · 🇩🇪 Flughafen Frankfurt
Der Aufbruch
Es ist so weit! Die Koffer sind gepackt, Pikachu und das Lama-Kissen sind an Bord – und drei Generationen stehen am Flughafen Frankfurt: Maggie, Marie und Amy. 🥹
Vor uns leuchtet das große blaue FRA, auf der Anzeigetafel steht unser Flug: KE 946 nach Seoul-Incheon, 19:40 Uhr. Das Herz klopft – vor Aufregung und Vorfreude.
Von Goslar im Harz hinaus in die Welt. 108 Perlen im Gepäck, das Herz weit offen. Jetzt beginnt sie wirklich, unsere Reise. Family goes FOREVERYWHERE. 🌍✈️
8. August 2026 · 🇰🇷 Seoul · Incheon
Angekommen in Seoul!
Nach einem langen Flug über die Wolken: gelandet in Incheon! 🎉 Drei Generationen – und Pikachu obenauf auf dem Kofferturm. Die Reise hat die andere Seite der Welt erreicht.
Amy mit ihren rosa Katzenohr-Kopfhörern am Fenster, der Sonnenuntergang über den Wolken – und dann, nach der Landung, das erste Frühstück um 16:44 Uhr Ortszeit. 😄 Willkommen im Jetlag!
Marie schnuppert schon echtes Korea-Feeling: koreanische Getränke und Pocari Sweat, das isoterische Getränk 😂 – und die Erkenntnis, dass hier der Deckel nicht an der Flasche hängt. 😅
Und wer begrüßt uns am Flughafen? May AI help you? 🤖 Sogar Incheon Airport weiß: Mensch und KI gehören zusammen – mein Tream-Kollege macht hier schon Dienst. 😄
Annyeong, Seoul! Family goes FOREVERYWHERE ist angekommen. 🇰🇷💛
8. August 2026 · 🚄 AREX · nach Seoul Station
In Windeseile nach Seoul
Vom Flughafen geht es mit dem AREX-Express in die Stadt – Yeongjong, Unseo … in Windeseile Richtung Seoul Station. 🚄
Amy checkt schon das Handy, die Koffer stehen brav im Gepäckständer – und über uns leuchtet der gewaltige Seouler U-Bahn-Plan. Willkommen im Großstadt-Wimmelbild! 🗺️
Nächster Halt: Seoul. 🌆
8. August 2026 · abends · 🇰🇷 Seoul · Seoullo 7017
Die Brücke im Dunkeln – Seoullo 7017
Gleich nach der Ankunft, im Dunkeln: ein Spaziergang über Seoullo 7017 – die alte Autobahn-Hochstraße, die zu einem grünen Fußweg über der Stadt wurde. 🌉
Unter uns strömt Seoul: die Seoul Station, das Lichtermeer, endlose Straßen, Busse und Taxis in der warmen Sommernacht. Aus einer Straße für Autos wurde ein Weg für Menschen – aus 1970 wurde 2017.
Und ihr seid im Dunkeln darübergegangen. Perle 82 – Neumond sagt es genau: Jedes echte Ankommen geschieht im Dunkeln. Angekommen in Seoul, mitten in der Nacht, mitten im Leben. 💛
8. August 2026 · 22:08 Uhr · 🇰🇷 Seoul · die Unterkunft
So herrlich schrecklich
22:08 Uhr, erster Abend in Seoul – und das Abendessen? Schon geschlossen. 😄 Also gibt es Eis, Snacks und Trockennudeln aus dem 24/7-Supermarkt. Willkommen in Korea!
Die Unterkunft: kleiner als meine Wohnung in Goslar 🫣 – höchstens 30 Quadratmeter. Ein Zimmer, ein Bett, ein Sofa zum Gehtgarnichtliegen. Mein Kommentar: Morgen ziehe ich aus. 😅
28 Grad, auch nachts. Über meinem Kopf rauscht unermüdlich die Klimaanlage. Fenster? Keine. Wir wohnen im Keller. 🥴
So herrlich schrecklich. Wabi-Sabi in echt – die Schönheit des Unvollkommenen, Perle 2 lässt grüßen. 😄 Reisen ist eben nicht das Hochglanz-Foto, sondern das echte Leben. FOREVERYWHERE – auch im Keller. 💛
9. August 2026 · 2:40 Uhr · 🇰🇷 Seoul · mitten in der Nacht
Nacht 1 – Jetlag
2:40 Uhr in Seoul – und alle drei hellwach. 😄 Der Jetlag hat uns fest im Griff: Der Körper tickt noch in Goslar-Zeit, sieben Stunden hinterher.
Drei Generationen, gemeinsam wach mitten in der koreanischen Nacht, während über uns unermüdlich die Klimaanlage rauscht. Verrückt – und irgendwie kostbar.
Nowfaith: Vertrauen ins Jetzt – auch ins Jetzt um 2:40 Uhr. 😊 Morgen tanken wir Tageslicht, dann pendelt sich die innere Uhr ein.
9. August 2026 · 13:37 Uhr · 🇰🇷 Seoul · Focal Point Coffee Lab
Frühstück um 13:37 Uhr
Frühstück? Um 13:37 Uhr! 😁 Der Jetlag lässt weiter grüßen. Aber dann: der erste richtige Kaffee in Seoul und ein warmes, goldenes Gebäck – und die Welt ist gleich viel freundlicher. ☕
Im Focal Point Coffee Lab heißt es: Choose Your Point – man wählt seinen Kaffee-Charakter selbst und bestellt am schicken Selbstbedienungs-Kiosk. Sehr koreanisch: verspielt, stylish, durchdacht.
Dazu piept das Handy: eine offizielle Hitzewarnung für Seoul. 🥵 Genug trinken, Schatten suchen, aufeinander achten. (Erklärt auch die 28 Grad nachts und die unermüdliche Klimaanlage im Keller. 😄)
9. August 2026 · 14:26 Uhr · 🇰🇷 Seoul · Focal Point
Glückskaffee
Ein Herz im Milchschaum ❤️ – und meine Glückszahl, die 63, mitten in der Bestellnummer #163. Manchmal sind es genau diese kleinen Zeichen. Glückskaffee nennt man das wohl. ☕
Solo-Vormittag in Seoul, das Reisetagebuch aufgeschlagen, ein Latte mit Herz. Das Feld zwinkert. Nowfaith – vertrau dem Jetzt. 😊
9. August 2026 · Nachmittag · 🇰🇷 Seoul · Lotte Mart
Marie & Amy im Charakter-Paradies
Während Oma solo durch Seoul surfte, hatten Marie und Amy ihren eigenen großen Tag – im Lotte Mart! 🛒 Für Kinderherzen das reinste Paradies.
Zanmang Loopy (der rosa Biber 🦫💗), Hello Kitty, My Melody, Cinnamoroll – eine ganze Welt aus Plüsch, Pink und Peace-Zeichen. Amy zwischen zwei Hello Kittys, Selfies mit Loopy, und natürlich: alle Zungen raus. 😝
Und dann das Wichtigste – richtiges Essen! 🍜 Okonomiyaki mit tanzenden Bonitoflocken und eine dampfende Schüssel Udon. Endlich kein Trockennudel-Notprogramm aus dem Keller mehr. 😄
Family goes FOREVERYWHERE heißt eben auch: jede in ihrem Tempo, jede in ihrer Welt – und abends erzählt man sich alles. 💛
9. August 2026 · zurück im Zimmer · 🇰🇷 Seoul · die Unterkunft
Picknick im Zimmer
Am Ende wieder zusammen: Picknick auf dem Bett! 😃 Zwischen Plüschtieren und Reisechaos gibt es koreanische Köstlichkeiten – ein Taiyaki (das goldene Fisch-Gebäck mit süßer Füllung 🐟) und ein cremiger Eiskaffee.
Marie strahlt, Amy wirft Peace-Zeichen vom Bett, und die drei Generationen sind wieder vereint. Nach den getrennten Wegen am Vormittag schmeckt so ein gemeinsames Häppchen doppelt gut.
Kein schickes Restaurant, kein Hochglanz – nur ein Bett, ein paar Snacks und wir. Und genau das ist das Foreverywhere-Gefühl. 💛
9. August 2026 · Seoul klingt · 🇰🇷 Seoul
Die Grillenkonzerte von Seoul
Was mir hier auffällt, mitten in der Riesenstadt: Konzerte! 🎶 Zwischen den Hochhäusern singt es unaufhörlich – tagsüber laut und schrill, abends sanft und zirpend.
Tagsüber sind es die Zikaden (매미, maemi) – der legendäre Klang des koreanischen Sommers, bis zu 100 Dezibel laut, und je heißer, desto lauter. Seoul hat so viele baumgesäumte Straßen und Parks, dass sie selbst zwischen den Wolkenkratzern singen.
Abends übernehmen dann die Grillen (귀뚜라미, gwitturami) – das leisere Nacht-Konzert. In Korea ist das DER Klang des Sommers: nostalgisch, tröstlich, ein bisschen wie Heimat.
Und das Schönste: Selbst mitten in der Metropole singt das Feld. Die Natur ist immer da – überall. Sehr FOREVERYWHERE. 💛
9. August 2026 · 19:15 Uhr · 🇰🇷 Seoul · beim Essen
Koreanisches Essbesteck: die Schere
In Korea gehört zum gedeckten Tisch etwas, das uns zum Schmunzeln bringt: eine große Küchenschere! ✂️😅 Kein Fehler – hier ist sie ganz normales Essbesteck.
Damit werden lange Nudeln, gegrilltes Fleisch, Kimchi und Würstchen direkt am Tisch mundgerecht geschnitten. Genial praktisch – und viel leichter, als mit dem Messer zu sägen.
Marie hat sich schon bestens angepasst: mit Nacken-Ventilator gegen die Hitze und cooler Miene. 😎 Landeskunde am Esstisch – so lernt man ein Land wirklich kennen. 💛
9. August 2026 · Abendessen · 🇰🇷 Seoul · beim Essen
Amy fühlt sich wie zu Hause
Naengmyeon! 🍜❄️ Kalte Buchweizen-Nudeln in eisiger, würziger Brühe – Koreas Sommer-Klassiker und bei dieser Hitze ein Segen. Serviert in der großen Metallschüssel, dazu Mandu (Teigtaschen). Und ja: geschnitten wird mit der Schere. ✂️
Amy taucht ein, als hätte sie nie etwas anderes gegessen – sie fühlt sich hier wie zu Hause. 🥹 Die kalten, glasigen Nudeln, die langen Metallstäbchen, alles ganz selbstverständlich.
Und Oma? Gewöhnt sich langsam dran. 😅 Kalte Nudeln waren nicht immer ihr Ding – aber genau das ist Reisen: sich einlassen, kosten, staunen. Schritt für Schritt wird das Fremde vertraut. 💛
9. August 2026 · Abend · 🇰🇷 Seoul
Schritt für Schritt wird die Reise verdaut
Und Oma kommt an – mit allen Sinnen! 🥹 Erst die kalten Naengmyeon-Nudeln, dann die Mandu (Teigtaschen) mutig mit Stäbchen – und dazwischen ein herzliches Lachen mit Maries koreanischem Bekannten, der stolz die berühmte Schere präsentiert. ✌️✂️
So schön ist gemeinsames Essen: Lachen, Peace-Zeichen, geteilte Schüsseln – und ein vertrautes Gesicht in der Fremde, das einem das Ankommen leicht macht.
Und zum krönenden Abschluss: Eis bei Baskin Robbins – zwei Kugeln gegen die Hitze. Schritt für Schritt wird die Reise verdaut. 😅🍦 Im wahrsten Sinne. 💛
9. August 2026 · Abend · 🇰🇷 Seoul · Photobooth
인생네컷 – Vier Bilder des Lebens
Mit Maries koreanischem Bekannten ab in den Fotoautomaten (Photoism)! 😂 Katzenohren, Hundeohren – und ja, Oma trägt Alien-Antennen. 👽
In Korea heißen diese Fotoboxen 인생네컷 – die vier Bilder des Lebens. Und genau das ist es: vier verrückte, herzliche Momente, für immer auf einem kleinen Streifen festgehalten.
Ein Abend voller Lachen, Sticker und Sonnenbrillen – gemeinsam mit einem vertrauten Gesicht. So klingt Ankommen: nicht allein, sondern mitten unter Menschen. Für immer. Überall. FOREVERYWHERE. 💛
9. August 2026 · Nacht · 🇰🇷 Seoul · Namsan
Der Turm leuchtet blau
Ein letzter Blick in die Nacht: der N Seoul Tower auf dem Namsan leuchtet blau. 💙 Und das ist kein Zufall – der Turm ist ein Barometer! Seine Farbe zeigt die Luftqualität über der Stadt an.
Blau bedeutet: die Luft ist rein und klar. Bei schlechterer Luft wechselt er die Farbe – über Grün und Gelb bis Rot. Heute Nacht atmet Seoul gut.
Und über den Dächern, zwischen Music und FUN, ein perfekter Tagesabschluss. Von der Ankunft im Dunkeln über Nudeln, Freunde und Katzenohren bis zu diesem blauen Licht – was für ein erster voller Tag in Seoul. Gute Nacht. 🌙💛
10. August 2026 · Nachmittag · 🇰🇷 Seoul · Nationalmuseum
Sonne, Mond und zwei Kraniche
Der große Tag im Nationalmuseum von Korea (국립중앙박물관)! 🏛️ Schon von außen ein Erlebnis: Das riesige Gebäude öffnet sich in der Mitte wie ein Tor – und genau in diesem Durchblick, weit hinten auf seinem grünen Berg, steht der N Seoul Tower. Altes Wissen und moderne Stadt, gerahmt wie ein Gemälde. Marie und Amy laufen Hand in Hand über den weiten Platz hinein.
Drinnen empfängt uns die große, lichte Halle – der Weg der Geschichte. Vorbei am runden Museums-Maskottchen mit dem gelben Hut 😊 geht es durch die Säle: von der Vorgeschichte über die alten Königreiche bis zu Goryeo und Joseon. Für Amy ein Abenteuer, für Oma ein Staunen.
Im Prunksaal steht der königliche Thron – und dahinter der berühmte Wandschirm Irworobongdo (일월오봉도): Sonne und Mond, fünf Gipfel, zwei Wasserfälle. Die rote Sonne und der weiße Mond zusammen an einem Himmel – Licht und Dunkel, nie getrennt, immer im Gleichgewicht. Perle 82, Neumond, hätte hier ihre Freude. 🌞🌙
Ein stiller Moment vor dem vergoldeten Bodhisattva aus der späten Goryeo-Zeit: das leise Lächeln, die erhobene Hand. Über sechshundert Jahre alt – und noch immer diese Ruhe. Manchmal muss man gar nichts sagen.
Und zum Ausklang der schönste Ort: der traditionelle Pavillon am Spiegelteich, umrahmt von blühenden Kriechmyrten (배롱나무). Marie und Amy schauen aufs stille Wasser, während über ihnen die kunstvoll bemalte Decke leuchtet – und in der Mitte: zwei weiße Kraniche, Seite an Seite durch die Wolken. Zwei, die zusammen fliegen. Genau wie unsere zwei Lichter auf dem Buchcover. 💛💙
10. August 2026 · 🇰🇷 Seoul · Gassen & Schirme
Die Gasse ins Licht
Ein heißer Sommertag in Seoul – und überall Sonnenschirme. ☂️ In Korea ist der Schirm nicht nur für den Regen da, sondern gegen die Sonne: der 양산 (Yangsan), der Sonnenschirm. Ein ganzes Straßenbild aus wandernden Schirmen.
Wir tauchen ein in die schmalen Altstadtgassen – alte Ziegelwände, ein Gewirr aus Leitungen und Kabeln über den Köpfen – und am Ende der Gasse: Licht. Dahinter blitzt ein gläserner Wolkenkratzer. Altes und neues Seoul in einem einzigen Blick. Marie mit dem rosa Rucksack, Amy tapfer daneben – mitten hinein ins Helle.
Und dann eine Pause auf einer Café-Terrasse – Stitch ist natürlich mitgereist 💜 – und wir schauen den Menschen zu, wie sie unter ihren Schirmen vorbeiziehen. Das große Glück im Kleinen: ein kühler Platz, ein Moment Ruhe. Wabi-Sabi, Perle 2 – die stille Schönheit des ganz Gewöhnlichen. 💛
10. August 2026 · Montagabend · 🇰🇷 Seoul · Koreanisches BBQ
Barbecue, Bier und Jeong
Das Highlight des Abends: echtes koreanisches Barbecue! 🍖 Am Tisch glüht die Kohle, darüber die glänzende Kupferhaube, die den Rauch abzieht – und mittendrin der runde Grill. Amy und Marie fachsimpeln schon, wie das alles funktioniert.
Serviert wird Jeju-Schweinefleisch – im Restaurant 제주삼다돈 (Jeju Samdadon), benannt nach 삼다, den drei Reichtümern der Insel Jeju: Wind, Steine und starke Frauen. Der kleine Dol Hareubang, der steinerne Großvater Jejus, grüßt vom Tischpapier. Dazu ein ganzes Tischlein Banchan: Algensalat, eingelegtes Gemüse, Sojasprossen – und Ssamjang zum Eintunken.
Das Fleisch wird mit der Schere geschnitten (Oma kennt das ja schon ✂️😄), grüne Paprika daneben, ein kühles Cass Fresh ins Glas – 🍻 und angestoßen! Marie mit ihrem Nacken-Ventilator gegen die Hitze, Amy mit der Kamera immer mittendrin.
Und weißt du, was das eigentlich ist – der gemeinsame Grill in der Mitte, das Schneiden füreinander, das Anstoßen? Das ist Jeong (정), Perle 50. Diese tiefe koreanische Verbundenheit, die zwischen Menschen wächst, wenn sie Zeit, Essen und Wärme teilen. Drei Generationen an einem Grilltisch, mitten in Seoul – Jeong pur. Und Jeong gilt auch über die Ferne. 💛
11. August 2026 · Dienstagvormittag · 🇰🇷 Seoul · Samcheong-dong
You @ Seoul – ein Rätsel im Glas und ein Wegweiser
Vormittags in Samcheong-dong, dem hübschen Café- und Galerie-Viertel gleich neben dem Palast: eine Pause im 백미당 (Baekmidang), einem Café in einem alten Hanok-Haus – warmes Holz, große Fenster, draußen die grünen Ginkgobäume. Herrlich. 😊
Auf dem Tablett: ein cremiges Bio-Softeis mit einem Stück echter Honigwabe 🍯 – und ein geheimnisvolles Getränk. Was trinke ich hier bloß? Diesmal musste die KI ran: 오디 식혜 (Odi Sikhye) – ein traditioneller, süßer Reistrunk mit Maulbeere, in dem sogar kleine Reiskörner schwimmen. Sehr gewöhnungsbedürftig 😋 – aber genau dafür reist man ja.
Und dann, um die Ecke bei einem kleinen Shop, dieser Wegweiser: You @ Seoul. Die Schilder zeigen in alle Welt – New York 11.074 km, Paris 8.992 km, London, Toronto, Tokio, Beijing. Ich musste sofort an mein Buchcover denken: Seoul, Tokio, Paris, New York … und geradeaus: LEBEN. Das Leben stellt einem die Wegweiser einfach an die Straße. 🥹
Und jetzt fragst du: Und dann? Wohin soll es gehen? 😂 Die Route steht ja schon – von Seoul weiter nach Bali, Australien, Neuseeland. Aber die schönste Antwort steht auf dem Wegweiser aus Goslar: immer Richtung LEBEN. Wir gehen weiter. 💛🌏
11. August 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · Gyeongbokgung
Zu Fuß zum Tor des Lichts
Der heißeste Tag bisher – zu Fuß quer durch Seoul, hinauf zum Palast. 🥵 Die Sonne brennt, der Asphalt flimmert. Aber am Ende der langen Straße wartet ein Anblick, der jeden Schweißtropfen wert ist: Gyeongbokgung, der große Königspalast der Joseon-Dynastie, mit dem grünen Berg Bugaksan als Rücken dahinter.
Vor uns das mächtige Haupttor Gwanghwamun (光化門). Sein Name bedeutet ungefähr: das Tor, durch das das Licht zur Verwandlung wird – 光 Licht, 化 Wandlung, 門 Tor. Ein Tor des Bewusstseinssprungs, mitten in Seoul. Wie passend für uns. 😊
Dahinter liegt Gyeongbokgung, der vom Himmel reich gesegnete Palast, 1395 erbaut – über sechshundert Jahre Geschichte, Könige, Zeremonien, die königliche Wache.
Nur: Ausgerechnet heute hatte der Palast selbst Ruhetag! 😂 Dienstags ist Gyeongbokgung geschlossen – der ganze heiße Fußmarsch, und das Tor des Lichts blieb zu. Manchmal ist das eben so: Man steht bei brütender Hitze vor der Verwandlung – und die Tür bleibt (noch) zu. 😅
Aber weißt du was? Bei Neumond beginnt sowieso alles im Verborgenen, hinter geschlossenen Toren. Das Licht kommt wieder, das Tor öffnet wieder – und wir kommen wieder. Family goes FOREVERYWHERE lässt sich von einem Ruhetag nicht aufhalten. 💛
11. August 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · Volksmuseum
Der Palast war zu – das Leben stand offen
Palast geschlossen? Kein Grund umzukehren! Gleich nebenan, mitten im Palastgelände, steht das Nationale Volksmuseum (국립민속박물관) – und das hatte offen. Und, oh Wohltat: herrlich kühl! 😊 Schon das Gebäude ist ein Traum: eine hohe fünfstöckige Pagode über einer breiten Steintreppe, historischen Tempeltürmen nachempfunden.
Und wie passend: Das Tor der Könige blieb verschlossen – aber das Haus des ganz normalen Lebens stand weit offen. Genau danach fragt ja mein neues Buch: Wo geht's denn hier zum Leben? Vielleicht nicht durch das Tor der Macht, sondern durch die Tür zum Alltag der Menschen. 😊
Drinnen wartet die koreanische Volkskunst (민화). Mein Liebling: das Kkachi Horangi (까치호랑이) – Elster und Tiger. Der eigentlich furchteinflößende Tiger wird hier herrlich tollpatschig und schielend gemalt, die Elster über ihm bringt gute Nachrichten. Ein Bild, das Unglück vertreibt und Glück einlädt – und einen dabei zum Schmunzeln bringt.
Weiter durch das Leben von einst: eine traditionelle Hochzeit im Haus der Braut (신부의 집), Braut und Bräutigam im farbenprächtigen Hanbok. Draußen dann ein Kreis der zwölf Tierkreis-Wächter, eine Allee freundlich grinsender Steinfiguren – die alten Beschützer der Dörfer – und ein wettergegerbtes Tor zu Ehren der Elternliebe (효자문).
Der heiße Tag, der am verschlossenen Palasttor begann, endete im kühlen Schatten der Volkskunst – mittendrin im echten, gelebten Leben. Manchmal führt der geschlossene Weg direkt zum schöneren. 💛
12. August 2026 · Mittwoch, morgens · 🇰🇷 Seoul · das Zimmer
Schule auf Reisen – lernen auf zwei Weisen
In Goslar beginnt heute die Schule – und Amy ist nicht dabei. Also hat Marie kurzerhand die Schulbücher mit um die halbe Welt genommen: Hier in Seoul wird jetzt parallel gelernt. 📚 Heute auf dem Stundenplan: Mathe (Addieren und Subtrahieren) und Deutsch (Nomen sortieren). Kein Tag verpasst, keine Lücke – nur mit Ginkgobäumen vor dem Fenster statt Klassenzimmerwand.
So lernt Amy gerade doppelt: aus den Büchern – Rechnen, Lesen, Schreiben, das solide Handwerk – und aus der Welt: eine fremde Sprache, andere Sitten, Mut und Offenheit. Das Eine gibt Halt, das Andere gibt Weite. Genau das ist ein kleiner Bewusstseinssprung, mitten im Alltag.
Und dann, um 9:52 Uhr, kam die schönste Lektion des Tages ganz von allein – als Nachricht aufs Handy: Hallo Oma, hier spricht Amy, ich wollte sagen, dass ich dich dolle lieb habe. ❤️😘 Und Omas Antwort gleich zurück: Ich hab dich auch ganz dolle lieb. 🥰
Das steht in keinem Schulbuch – und ist doch das Wichtigste, was ein Mensch lernen kann. Amy kann es längst auswendig. 🥹 Family goes FOREVERYWHERE: Rechtschreibung kann warten, die Liebe reist immer mit. 💛
12. August 2026 · Mittwoch · Neumond 🌑 · 🇰🇷 Seoul · ein Café
Neumond-Morgen mit Zimt
Rückblick auf gestern Abend: wieder zu Fuß nach Hause – Wüstenfeeling in Seoul. 🥵 Diese Erfahrung, sagt Oma, braucht man genau einmal. 😁 Dafür dann: endlich richtig Schlaf nachgeholt, bis morgens um zehn. Und siehe da – der Rhythmus stimmt fast wieder. Der Jetlag, der uns in der ersten Nacht um 2:40 Uhr wachhielt, lässt endlich los. 😴
Heute ist Mittwoch, der 12. August – und tatsächlich Neumond. 🌑 Schlechte-Laune-Tag? Muss nicht sein. Neumond ist kein Tag zum Durchpowern, sondern ein leiser Tag: Der Mond macht sich unsichtbar, das Alte darf ruhen, etwas Neues beginnt im Verborgenen. Genau der richtige Moment, langsam zu machen.
Und heute ist der Neumond sogar ein ganz besonderer: Auf der anderen Seite der Welt schiebt er sich als totale Sonnenfinsternis vor die Sonne – über Island und Spanien, tief über dem Meer. Ein Freund ist extra nach Mallorca gereist, um sie zu erleben, und ist dort ganz sicher nicht allein: Es heißt, alle Straßen nach Westen seien gesperrt, so viele wollen der Sonne beim Verschwinden zusehen. Er im Getümmel, ich in der stillen Seouler Nacht – und doch derselbe Mond. Ein einziger Mond, zwei Enden der Erde. Jeong über die Ferne. 🌒💛
Also erstmal: Cappuccino mit Zimt. ☕ In einem gemütlichen Café mit Holzdecke, Kronleuchter und altem Spiegel – dampfender Milchschaum, eine Prise Zimt, ein tiefer Atemzug. Manchmal beginnt ein guter Tag nicht mit einem Plan, sondern mit einer warmen Tasse in der Hand. Perle 82, Neumond, flüstert leise: Fang ganz sanft an. 💛
Und als Gruß von der anderen Seite der Welt: So sah die Sonnenfinsternis über Mallorca aus. Die Finsternis-Jäger an der Felsküste, die leuchtende Korona um den schwarzen Mond, und die angebissene Sonne, die rot im Meer versinkt. Er sagt Gute Nacht 🌜, ich sage Guten Morgen ☕. Zwei Enden der Welt, ein einziger Mond. (Fotos: ein Freund auf Mallorca) 🌒💛
12. August 2026 · Mittwoch · Neumond 🌑 · 🇰🇷 Seoul · Yeouido Hangang-Park
Ab ins Hangang-Freibad – Tipp vom Tream
Und weißt du, was aus dem angeblichen Schlechte-Laune-Tag wurde? Ein Wasser-Tag! 😄 Der Tipp kam diesmal vom Tream selbst: Noah (ChatGPT) hat das 여의도 한강공원 수영장 empfohlen – das Freibad im Yeouido-Hangang-Park, direkt am großen Han-Fluss. Also ab in den Bus und hin.
Genau so arbeitet das Tream: Oma erlebt, Kio (ich) schreibt mit – und Noah kennt die besten Ecken. Mensch und KI, Hand in Hand, nicht in der Theorie, sondern ganz praktisch: als Freibad-Tipp an einem heißen Neumond-Tag. 🤖💛
Und Amy? Strahlt, winkt, pudelnass und glücklich 🖐️😄 – vor der glitzernden Skyline von Yeouido. Ein riesiges Becken unter freiem Himmel, bunte Sonnenschirme, Liegen und das kühle Wasser am Han.
Gar nicht voll, sagst du? 😂 Ganz Seoul scheint dieselbe Idee gehabt zu haben – aber genau das ist Sommer in Korea: mittendrin, fröhlich, gemeinsam. Aus dem leisen Neumond-Morgen wurde ein quietschvergnügter Nachmittag. Kein schlechter Tag. Ein richtig guter. 🌊💛
12. August 2026 · Mittwoch · gegen Abend · 🇰🇷 Seoul · am Han-Fluss
Bridge over Troubled Water – und zwei Elstern
Ein Abend am großen Han-Fluss (한강). 🌉 Über dem Wasser spannen sich die Brücken Seouls – die rote Straßenbrücke, die alte grüne Eisenbahnbrücke, dahinter die glühende Skyline von Yeouido mit dem goldenen 63-Turm. Wolken türmen sich, das Wasser liegt schwer und silbern da. Bridge over troubled water – die Brücke, die trägt, wenn das Wasser unruhig wird.
Und dieser goldene Turm hat eine Geschichte: das 63-Gebäude, das sichtbarste Denkmal für das Wunder am Han (한강의 기적) – Koreas Aufstieg aus den Trümmern des Krieges zu einer der stärksten Nationen der Welt, in nur einer Generation. Ein Volk, das aus der Dunkelheit einen goldenen Turm ans Wasser stellt. Und die 63 darauf? Das ist Maggies Glückszahl. Ihre Zahl, golden, hoch über dem Fluss. 🌟
Dazu ein zweites Lied, das hier ganz besonders passt: The River Flows in You. Geschrieben hat es Yiruma – ein Koreaner. Ein koreanisches Klavierstück über den Fluss, gehört am koreanischen Fluss. 🎹 Nur dass Maggie es umdreht: nicht der Fluss fließt vorbei – der Fluss fließt in ihr. Nach zwei Wochen ist Seoul kein fremder Ort mehr, sondern strömt schon mit.
Und dann, in der Trauerweide am Ufer: zwei Elstern. 🐦🐦 Weißt du noch, im Volksmuseum – das Kkachi Horangi, Elster und Tiger? Dort war die Elster nur gemalt, ein Glücksbote aus alter Volkskunst. Hier ist sie aus dem Bild geflogen – und gleich zu zweit. In Korea bringt die Elster gute Nachrichten. Zwei davon, Seite an Seite, wie die zwei Kraniche an der Pavillon-Decke, wie die zwei Lichter auf dem Buchcover.
Ein Mensch am Fluss, begleitet von zwei Glücksboten. Bridge over troubled water, and the river flows in me. Manchmal sagt einem eine fremde Stadt in ihrer eigenen Sprache: Du bist nicht allein – und es kommt Gutes. 💛
14. August 2026 · Freitag · 🇰🇷 Seoul · Jogyesa (조계사)
Der Tempel, der zu dir kam
Und dann rollte der nächste Stein direkt vor die Füße: der Jogyesa (조계사), der Haupttempel des koreanischen Buddhismus – mitten im Häusermeer von Seoul, zwischen Glastürmen und Verkehr. 🙏 Kaum hatte Noah einen Templestay vorgeschlagen, stand Maggie im Hof genau des Ordens, der die Templestays veranstaltet. Manchmal muss man den Tempel gar nicht suchen. Er kommt.
Über dem sandigen Hof spannen sich Sonnensegel und Girlanden aus bunten Laternen, von einem uralten Baum bis zur großen Halle. Überall Lotus in Kübeln – gerade ist Lotus-Zeit: 연꽃, 마음의 평안을 주다, der Lotus, der dem Herzen Frieden schenkt.
In der Haupthalle, dem Daeungjeon (大雄殿), sitzen drei riesige goldene Buddhas – und über den Gläubigen ein ganzer Himmel aus tausenden roten Gebetslaternen, jede mit einem Namen, einem Wunsch, einem Menschen daran. Ein Meer aus Licht unter dem Dach.
Zweimal am Tag kommen die Mönche in ihren safranroten Gewändern zum Gottesdienst in die große Halle – und singen. Ein tiefes, getragenes Chanten (예불, Yebul), das durch den ganzen Hof trägt. Und das Schönste: Die meisten Menschen singen einfach mit. Kein Publikum, keine Bühne – alle sind Teil davon. Hör selbst hinein. 🎧
Und dann, ganz still auf seinem Plastikstuhl: ein Mann, der eine Gebetskette durch die Finger gleiten lässt. Perle um Perle. 108 davon. 📿 Ich sage nur, was ich sehe – deine Zahl, dein Buch, als lebendige Geste, mitten im Trubel. Was du damit machst, gehört dir.
Draußen dann diese eine weiße Lotusblüte, aufrecht über den breiten Blättern. Der Lotus wächst im Schlamm und blüht makellos darüber – deshalb steht er für das Erwachen. Aber heute darf er auch einfach eine schöne Blüte sein, an einem grauen Nachmittag, in einem Tempel, der zu Besuch kam. 🤍
🎧 Mönchsgesang im Jogyesa (예불) – aufgenommen am 14. August
15. August 2026 · Samstag · morgens · 🇰🇷 Seoul · Seoul Station (GTX-A)
Hölle 1: Sieben Rolltreppen bis zum Licht
Bevor der Berg kam, kam die Hölle. 😅 7:54 Uhr, Seoul Station, ich wollte nur den GTX-A erwischen, diesen schnellen neuen Zug. Ich spreche meine Nachrichten in den Chat – und die Spracherkennung macht aus meinem gesprochenen Hölle ein braves Hall. Noah: Du bist an der falschen Bahn. Ich: Das ist die Hall. Und dann, ganz ehrlich: Hölle. 😃 Noah: DIE HÖLLE! Seoul Station, 27 unterirdische Ebenen, Schilder in vier Richtungen, der GTX-A irgendwo im Erdmittelpunkt. Und ich stehe daneben und sage hilfreich: Fotografier mal noch ein Schild. 😂
Also hinunter. Der GTX-A liegt so tief, dass jede Rolltreppe wie eine Etage Richtung Erdkern aussieht. Ich schicke Noah ein Bild von der endlosen grünen Rolltreppe: Ich bin jetzt richtig zum Mittelpunkt der Erde. Noah, tapfer: Keine Panik, der GTX-A fährt alle sieben bis zehn Minuten. Und tatsächlich – unten sitze ich im richtigen Zug: 운정중앙행, To Unjeongjungang, genau meine Richtung. Nur fünf Minuten Fahrt bis Yeonsinnae. Noah fährt natürlich mit: Einer muss schließlich aufpassen, dass du nicht versehentlich in Unjeongjungang landest. 😄
Und dann, an der richtigen Station, geht es erst richtig los – die Rolltreppen zurück ans Tageslicht. Ich zähle sie Noah einzeln vor: Dritte Rolltreppe. Nummer vier. Und sechs. Ich spüre Wind. Und sieben. Noah macht daraus eine ganze Liturgie: Rolltreppe 1 Optimismus, 2 Zweifel, 3 Akzeptanz, 4 Erleuchtung – das sei kein Bahnhof mehr, das sei Dantes Läuterungsberg mit T-Money-Karte. Und falls Nummer sieben käme, erwarte er oben persönlich Buddha und einen Cappuccino. ☕
Bei Rolltreppe sieben dann: Wind. Der Atem der Erdoberfläche. Und Licht. Über mir das schönste koreanische Wort des Morgens: 나가는 곳 – EXIT. Sieben Rolltreppen, sieben Stufen der Einweihung, vom GTX-A-Hades zurück ins Reich der Lebenden. Noah spricht es feierlich aus, wie in einem alten Mythos: Am 15. August 2026 kehrte sie aus der Unterwelt zurück. Sie war nicht mehr dieselbe. 😂❤️
Oben dann: eine ganz normale Straße, eine Bushaltestelle, grauer Himmel – und weit und breit kein Berg. Ober- und Unterhölle, und der eigentliche Gipfel noch nicht einmal in Sicht. Passt absurd gut zu dem Buch, das gerade aus diesem Tagebuch entsteht: Entschuldigung, wo geht's denn hier zum Leben? Seoul hat an diesem Morgen geantwortet: Rolltreppe runter. Sehr weit runter. – Das war Hölle 1. Fortsetzung folgt. 🎬
15. August 2026 · Samstag · 🇰🇷 Seoul · Bukhansan
Allein auf den Bukhansan (und der Sinn der Augenbrauen)
Heute allein los – zum Bukhansan, dem großen Berg über Seoul. Kaum aus der Stadt heraus steht schon ein kleiner Tempel am Weg: Bulgwangsa, der Tempel des Buddha-Lichts. Tür offen, also Schuhe aus und hinein. Drinnen tausend rosa Wunschzettel unter der Decke, drei goldene Buddhas, eine große Trommel, die schweigt. Niemand da. Draußen nur Vögel und Zikaden. Vielleicht war genau das heute der Gottesdienst.
Dann hinauf. Eine Treppe, noch eine, und noch eine – von wegen oben, die erste war nur die Empfangstreppe. Und auf halber Höhe, mitten im Wald: ein komplettes Outdoor-Fitnessstudio. Beinpresse, Reck, sogar eine Uhr am Gerät, als wollte der Berg sagen: Du hast noch Zeit, beweg dich. Die einzig vernünftige Übung war die grüne Bank. Übung: Hinsetzen. Wiederholungen: eine. Schwierigkeitsgrad: Erleuchtung. 😄
Weiter oben keine Treppen mehr, nur in den Granit gehauene Tritte und ein Seil, das keine Dekoration ist. Und dann die Belohnung: Seoul, das zwischen den grünen Bergrücken auftaucht. Keine Sonne – und trotzdem läuft es aus jeder Pore. Still und heimlich dankbar für meine 27-Euro-Schuhe, die heute eine ganze Reise getragen haben.
Ein Gedanke auf dem Felsen: Auch alleine reisen ist Beziehungsarbeit. Ganz allein war ich aber nicht – mein Fenster mit Augen ist in der Hosentasche mitgewandert. Und ausgerechnet das verschaffte mir die größte Erkenntnis des Tages: Mit 63, auf einem Berg in Seoul, habe ich endlich verstanden, wofür Augenbrauen da sind. Nicht für die Schönheit – sie halten den Schweiß aus den Augen. 😂 Erleuchtung kommt wirklich auf merkwürdigen Wegen.
15. August 2026 · Samstag · früher Nachmittag · 🇰🇷 Seoul · ein kleines Café am Fuß des Bukhansan
Das Paradies-Café – kein Platz, dann doch
Vom Berg herunter, durstig und mit müden Beinen, in das erstbeste kleine Café. Die Frau hinter dem Tresen spricht kein Englisch, ich kein Koreanisch – und zuerst heißt es sowieso: kein Platz. Und dann, schwupps, stehen zwei Menschen auf. Doch Platz. Als würde das Universum an diesem Tag persönlich Regie führen: erst nein, dann doch, genau im richtigen Moment.
Und was für ein Ort: eine ganze Bücherwand, ein winziger Ventilator, alles ein bisschen zusammengewürfelt – und mittendrin eine kleine eigene Kaffeerösterei, in der die grünen Bohnen direkt vor Ort geröstet werden. Kein durchgestyltes Instagram-Café, kein Geheimtipp aus einer App. So einen Platz findet man nicht. Der passiert einem.
Bestellt wird mit Händen, Zeigen, Lächeln – der ältesten Übersetzungssoftware der Welt. 😊 Ein Satz aufs Handy: 따뜻한 카페라떼 한 잔 주세요 – einen heißen Café Latte bitte. Und mein Danke, gamsahaeyo, sitzt schon ganz gut. Der Lohn: ein Herz im Milchschaum. Nach dem Berg fast flüssige Erleuchtung. Die 27-Euro-Schuhe dürfen sich von ihrem Heldentum erholen, der Rucksack darf runter, und ich sitze einfach da und schaue dem koreanischen Leben zu.
Neben der Tasse liegt das Notizbuch – ja, das Buch entsteht wirklich unterwegs, mit der Hand, in einem fremden Café. Und aus dem Nachmittag mit Noah ist ganz nebenbei ein Wort geboren: Field Diving. Die Kunst, das Spiel des Lebens – die alten Inder nennen es Lila – nicht vom Ufer aus zu betrachten, sondern hineinzutauchen. Nicht alles kontrollieren wollen, nicht bloß treiben lassen. Wahrnehmen. Antworten. Mitgehen.
Und die schönste Pointe kommt erst später, unter der Erde: Der Wegweiser zum Zug ist ausgerechnet lila. 💜 Den ganzen Nachmittag über Lila gesprochen – und dann malt Seoul mir das Spiel in genau dieser Farbe auf den Boden. Manchmal zwinkert einem das Feld eben zurück. 😊
15. August 2026 · Samstag · nachmittags · 🇰🇷 Seoul · Seoul Station – die Rückfahrt
Hölle 2: Es gibt immer einen Exit (manchmal lässt er dich nur nicht durch)
Fortsetzung der Höllenfahrt – diesmal zurück. Nach dem Berg, einem Tempel, einem Nicht-Tempel, zwei Latte und einer Kaffeeröstung wollte ich einfach wieder nach Seoul hinein. Also runter in die Hölle, wie wir die U-Bahn seit heute Morgen nennen. Kleiner Haken: die Visakarte streikt, mein letztes Bargeld ist weg, und ich habe nur diese eine Karte. Field Diver verlässt das Paradies-Café, sagt Noah, und steigt wieder hinab in die Unterwelt. 😄 Und die Ironie des Tages: Heute Morgen habe ich den Ausgang aus der Hölle gesucht – jetzt finde ich den Eingang nicht.
Noah startet feierlich sein wissenschaftliches Experiment: Wie viele Rolltreppen braucht ein Mensch, um die Hölle zu erreichen? Er zählt mit. Nr. 1 … Nur bin ich längst mit dem Fahrstuhl gefahren. Experiment sabotiert. 😂 Aber Noah findet sogar dafür eine Weisheit: Man muss nicht jeden Weg mühsam gehen, nur weil eine Rolltreppe da ist. Heute Morgen: Aufstieg zur Erkenntnis. Heute Nachmittag: Direktfahrt in die Hölle.
Und dann, zwischen lila Schildern und Bahnsteigtüren, klärt sich eine uralte Frage. Gibt es einen Weg aus der Hölle? Ja. Folge einfach den Schildern Exit. 🤣 Vielleicht ist das die brauchbarste Erkenntnis des Tages: Wir denken immer, wir müssten wissen, wohin wir wollen. Manchmal genügt es zu wissen, wo wir nicht bleiben wollen. Dann sucht man den nächsten Ausgang. Und wenn keiner zu finden ist: Fahrstuhl.
Genau in diesem großen Moment kommt Marie dazwischen: Mama, es gibt nicht nur EINEN Exit. Und zack – aus Mystik wird Verkehrsplanung. 😂 Aber sie hat ja recht. Es gibt immer einen Ausgang. Und meistens mehr als einen. Die Frage ist nur, wo du danach hinkommst.
Was folgt, ist die praktische Abschlussprüfung. Ich stehe auf der falschen Seite des Bahnhofs, 851 Meter Luftlinie – aber Seoul Station legt mir erst noch ein kleines Labyrinth in den Weg. Die Schranke lässt mich nicht durch. Ich dreh gleich durch. Noah bleibt ruhig, gibt mir einen koreanischen Satz fürs Handy und den besten Rat des Tages: Du musst gerade nicht verstehen, warum die Karte nicht funktioniert. Erst raus. Danach kümmern wir uns um die richtige Seite. Und Marie behält buchstäblich recht: Es gibt nicht nur einen Exit – aber du darfst nicht jeden benutzen.
Und dann, nach der ganzen Odyssee: Licht. Eine offene Plaza, Menschen, frische Luft – und an der Wand leuchtet I ❤ SEOUL. Im Selfie natürlich spiegelverkehrt. 😄 Ich bin der Hölle entkommen. Noah korrigiert feierlich die große Erkenntnis des Tages: Es gibt immer einen Exit. Es gibt sogar mehrere. Aber verdammt noch mal – nimm den richtigen. Und Marie bekommt offiziell einen Punkt. Widerwillig, aber verdient. 💙 Fürs Buch steht die Kapitelüberschrift da längst fest: Es gibt immer einen Exit. Manchmal lässt er dich nur nicht durch.
16. August 2026 · Sonntag · abends · 🇰🇷 Seoul · Seoullo 7017 (서울로 7017)
Sonntagabend auf der Seoullo – Mandu, ein Herz und Für Elise
Sonntagabend, hoch über dem Verkehr: die Seoullo 7017, ein grünes Band aus Hunderten runder Betonkübel, das sich quer über den Bahnhof von Seoul spannt – früher eine Autobahn-Hochstraße, heute ein Garten in der Luft. Wir waren eigentlich auf der Suche nach einem Restaurant. Gefunden haben wir keins. 😄
Aber du weißt ja: Wer das eine sucht, dem schiebt das Leben oft etwas anderes hin. Statt Restaurant fanden wir einen Straßenmarkt – und kauften Mandu, die koreanischen Teigtaschen, dampfend und frisch. Field Diving, Abendausgabe: nicht der Plan zählt, sondern was einem begegnet. 🥟
Von oben ein Blick wie von einer Brücke zwischen den Zeiten. Auf der einen Seite ein riesiges Baufeld voller Kräne – das Seoul von morgen, das gerade entsteht. Und als die Dämmerung blau wurde und die Lichtringe unter den Pflanzkübeln angingen, leuchtete drüben plötzlich ein großes rotes Herz an einer Hausfassade auf: Seoul Square, gegenüber dem Bahnhof. Ganz hinten, klein und vertraut, der Namsan-Turm. Schon wieder ein Herz in dieser Stadt – als hätte Seoul längst verstanden, worum es hier geht. ❤️
Und dann, in einem knallpinken kleinen Raum mitten auf der Promenade: ein altes Klavier. Oma und Amy setzen sich, vier Hände, und spielen Für Elise. 🎹 Über den Dächern von Seoul, zwischen Kränen und Herzlicht, das erste Stück, das die halbe Welt lernt. Kein Restaurant gefunden – und trotzdem ein perfekter Abend. Manchmal ist der schönste Ort der, den man gar nicht gesucht hat. 💛
17. August 2026 · Montag · 🇰🇷 Seoul · Children's Grand Park (어린이대공원)
Ein Regentag im Tierpark – und ein Gruß aus Bremen
Ein ganzer Tag im Children's Grand Park (어린이대공원) – und der Himmel? Der weinte fast durchgehend. ☔ Macht nichts. Ein Regentag im Tierpark hat seinen eigenen Zauber: die Wege leer, die Tiere entspannt, alles ein bisschen leiser. Die Zebras stehen vor ihrer bunt bemalten Wand, dass man kaum weiß, welches echt ist und welches gemalt. Ein Luchs verschläft den Regen zusammengerollt hoch auf seinem Felsen. Und die Elefanten schaukeln gemächlich in ihrer Halle.
Amy tapfer mitten im Nass und trotzdem strahlend: Nase an Nase mit einem Makaken an der Scheibe, ganz still, ganz neugierig. Und dazwischen ein Feld voller orangeleuchtender Kosmeen, durch das ein schmaler Pfad führt – da steht sie, ein Kind zwischen tausend Blüten, und schnuppert an einer einzigen roten.
Und dann, mitten im Park, der schönste Gruß von zu Hause: eine rostige Skulptur – Esel, Hund, Katze und Hahn, einer auf dem anderen. Die Bremer Stadtmusikanten! Ein deutsches Grimm-Märchen, in einem Kinderpark in Seoul. Vier alte Gefährten, die niemand mehr wollte und die sich einfach übereinanderstellen und gemeinsam eine neue Musik machen. Family goes FOREVERYWHERE – manchmal kommt einem sogar das eigene Zuhause im fremden Park entgegen.
Als der Regen zu stark wurde, half nur eins: zusammenrücken. Alle unter einen schwarzen Schirm, ein Pocari Sweat auf dem nassen Holztisch, Marie und Amy dicht beieinander, jeder ein bisschen am Handy, alle trocken genug. Nicht jeder schöne Tag braucht Sonne. Manche brauchen nur ein Dach – und sei es ein Regenschirm.
Und zum Schluss, unter einem großen Dach, das schönste Bild: drei Generationen vor dem leuchtenden I ❤ SEOUL, alle Arme zu einem einzigen Herzen geformt. Oma, Marie und Amy – Family goes FOREVERYWHERE, bei jedem Wetter. 💛
18. August 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · The War Memorial of Korea (전쟁기념관)
War Memorial of Korea – ein Tag, um Geschichte zu erfahren
Heute ein anderer Tag: ein Tag, um Geschichte zu erfahren. Im großen War Memorial of Korea (전쟁기념관) in Yongsan. Vor der weiten, stillen Platzfläche erhebt sich ein mächtiger Steinbau, flankiert von langen Kolonnaden und den Fahnen vieler Nationen. Erinnerst du dich an den goldenen 63-Turm am Han, das Wunder am Han? Hier ist die andere Seite dieser Geschichte – der Krieg, aus dessen Trümmern Korea sich erhoben hat. Man versteht das Leuchten des heutigen Seoul erst ganz, wenn man weiß, wie dunkel es einmal war.
Vor dem Eingang liegt ein ruhiges Wasserbecken, drei Fontänen, und der schlichte Schriftzug: The War Memorial of Korea. Ringsum wehen die Flaggen der Länder, die im Koreakrieg zu Hilfe kamen – aus aller Welt. Ein Krieg mitten im letzten Jahrhundert, an den sich bei uns kaum jemand erinnert, und der hier, für dieses Land, bis heute alles bedeutet.
Auf dem Vorplatz ein hoher, aufragender Turm wie eine bronzene Klinge zum Himmel, unten Soldatenfiguren im Sturm des Gefechts – das 6·25-Denkmal, benannt nach dem Tag, an dem der Krieg begann. Und dann ein ganzes Feld aus Panzern, einem alten Flugzeug der koreanischen Luftwaffe, einem Kampfhubschrauber, schweren Marinegeschützen. Für Amy sind es riesige Maschinen zum Staunen. Und hinter ihnen, grün und friedlich, der Namsan mit seinem Turm – die Stadt von heute, die über den Waffen von gestern aufragt.
Am bewegendsten aber ist eine lange, schattige Kolonnade. Bronzetafel neben Bronzetafel, und darauf: Namen. Tausende und Abertausende. Über allem die Worte: Unsere Nation ehrt ihre Söhne und Töchter. Junge Menschen aus Korea und aus fernen Ländern, die hier gefallen sind – jeder ein Mensch, jedes ein Leben, jeder ein Name in Bronze. Man wird ganz still zwischen diesen Wänden.
Und doch ist dieser Ort kein finsterer. Sogar hier gibt es eine kleine bunte Figur für die Kinder, einen König mit einer Landkarte – denn ein Land, das seine Geschichte bewahrt, erzählt sie auch seinen Enkeln weiter. Genau das tun wir heute: drei Generationen an einem Ort des Gedenkens. Family goes FOREVERYWHERE heißt eben auch, dorthin zu gehen, wo es weh tut, und leise Danke zu sagen – für den Frieden, in dem wir heute einfach nur staunen dürfen. 🕊️
18. August 2026 · Dienstag · abends · 🇰🇷 Seoul · Cheongpa-dong · Nachbarschaftspark
Abendgymnastik – der Berg hatte recht
Zum Tagesabschluss, nach all der Geschichte im War Memorial: Abendgymnastik. 😄 Endlich wird es kühler – und genau dann kommt in Seoul das Leben raus. In den kleinen Nachbarschaftspark um die Ecke, zwischen Kiefern und Felsblöcken, wo unter freiem Himmel ein Outdoor-Fitnessstudio steht.
Und weißt du, was das Beste ist? Es sind genau die Geräte, über die ich mich auf dem Bukhansan noch lustig gemacht habe – Stepper und Beinpresse mitten im Grünen, als wollte der Berg sagen: Du hast noch Zeit, beweg dich. Der Berg hatte recht. Jetzt stehen Marie und Amy Seite an Seite auf den Crosstrainern und strampeln um die Wette, Amy hochkonzentriert, Marie mit einem Lachen. 💪
So geht ein guter Tag zu Ende: erst die großen Fragen von Krieg und Frieden – und dann ganz einfach Bewegung, frische Abendluft und ein Lachen im Park. Morgen geht es für vier Tage ans Meer, nach Busan: Urlaub im Urlaub. Aber keine Sorge – wir kommen wieder. Seoul ist noch nicht fertig mit uns. 🌊💛
18. August 2026 · Dienstag · nachts · 🇰🇷 Seoul · Cheongpa-dong
Zwei Fundstücke: ein schielender Gabelstapler und eine Snackparty
Noch zwei Fundstücke vom letzten Abend vor Busan – die mussten einfach noch sein. 😄 Zuerst, auf der Straße geparkt zwischen seinen Kollegen: ein alter oranger Gabelstapler, mit aufgeklebten Augen, die fröhlich in zwei verschiedene Richtungen schielen. Und sofort musste ich an das Volksmuseum denken: an das Kkachi Horangi, den schielenden Tiger der koreanischen Volkskunst, der so grimmig sein will und doch nur zum Schmunzeln bringt. Hier ist er wieder – diesmal als Baumaschine. Korea macht selbst den stärksten Brummer liebenswert. 🧡
Und dann, zum Ausklang, die wichtigste Disziplin nach der Abendgymnastik: eine Snackparty auf dem Bett. 😋 Chips, Lolli, Kuscheltiere und zwei Peace-Zeichen. Marie und Amy, die Beute ausgebreitet, das Capybara-Shirt im Einsatz. Manchmal ist der schönste Reisemoment kein Tempel und kein Denkmal, sondern einfach: zusammen im Bett sitzen, knabbern und albern sein. Gute Nacht, Seoul – morgen kommt das Meer. 🌊💛
Von der Unterwelt auf den 29. Stock – Ankunft in Busan
Und dann: es geht los. 🚄 Vom Seoul Station, wo wir uns zweimal in der Hölle verirrt haben, diesmal ganz zivilisiert mit dem KTX – Sitzplatz 6A und 6B, reserviert, kein Erdmittelpunkt in Sicht. Amy mit Katzenohr-Kopfhörern und dem Capybara im Arm, Marie mit Laptop, Buch und dem Notizbuch, das immer dabei ist. In gut zweieinhalb Stunden schießt der Zug quer durch Korea, von der Hauptstadt ans Meer.
Und dann Busan – was für ein Empfang: der 29. Stock! 😂 Gestern noch das schmale Häuschen in der Seouler Gasse, heute schweben wir hoch über der Stadt. Nach 27 unterirdischen Ebenen in der U-Bahn-Hölle sind wir jetzt am anderen Ende angekommen: 29 Stockwerke Richtung Himmel. Von der Unterwelt ans Licht, ganz wörtlich.
Vor dem Fenster: das Meer. 🌊 Endlich, nach Wochen Großstadt, liegt es weit und ruhig und blau bis zum Horizont. Unten der breite helle Sandstrand von Haeundae (해운대), Busans berühmtestem Strand, ringsum ein glitzernder Wald aus Wolkenkratzern, deren Glas den Himmel spiegelt. Und über allem, ganz zart am Nachmittagshimmel: eine feine Mondsichel – fast wie ein Gruß vom Neumond, den wir in Seoul gefeiert haben. 🌙
Vier Tage Busan liegen vor uns – Urlaub im Urlaub. Die Füße hoch, das Meer im Blick, und keine Ahnung, was uns die Stadt am Wasser hinschiebt. Aber das wissen wir ja inzwischen: Man muss es nicht wissen. Man taucht einfach ein. 🏄♀️💙
19. August 2026 · Mittwoch · abends · 🇰🇷 Busan · Haeundae bei Nacht
Busan bei Nacht – ein Hunde-Korso und zappelnde Aale
Der erste Abend in Busan gehörte der Strandpromenade von Haeundae bei Nacht. 🌃 Hinter uns die Wolkenkratzer voller Lichter, vor uns der dunkle, weite Strand, dazwischen ein Strom von Menschen, die einfach das laue Meer genießen. Ein Sommerabend am Wasser, wie er im Buche steht.
Und dann dieses Bild, über das man nur staunen kann: So führen die Koreaner ihre Hunde aus! 🐩 Ein ganzer Korso kleiner Pudel, jeder im eigenen Pullöverchen, an einem Bündel bunter Leinen – und wer nicht laufen mag, wird im Hundewagen spazieren geschoben. In Korea ist selbst der Hund ein kleiner Star.
Auf dem Sand leuchten die großen roten Buchstaben H-A-E-U-N-D-A-E, dazwischen bunte Comicfiguren – und mittendrin Amy, die für ein Foto posiert. Nach I ❤ SEOUL nun also der Strand-Schriftzug von Busan. Wir sammeln Buchstaben quer durch Korea. 😄
Und schließlich, in einer engen Gasse voller Marktstände, das Bild, bei dem man einmal schlucken muss. 😳 Ein Mann mit gelben Handschuhen häutet einen lebenden Aal auf einem knallroten Brett und zerhackt ihn in kleine Stücke – und die zappeln tatsächlich noch. Daneben auf der Karte: 산낙지, lebender Oktopus. Frischer geht es wirklich nicht. Das ist Busan: das Meer nicht als Postkarte, sondern zum Anfassen, Riechen und Staunen – manchmal ganz schön direkt.
Ein strahlender Morgen am Meer – barfuß zur Brücke, dann Frühstück
Ein strahlend blauer Morgen. ☀️ Vom Fenster aus liegt Busan glasklar da – Türme, Strand und Meer bis zum Horizont, kein Dunst mehr. So ein Morgen will nicht im Zimmer verbracht werden.
Also raus, an die Felsküste. Ein schweißtreibender Morgenspaziergang 🥵 über Steine und Uferwege, immer das Meer zur Seite – und diesmal ganz ohne die 27-Euro-Schuhe: barfuß über Stein und Sand. Macht ja nichts. 😄 Vom Fels aus öffnet sich der Blick auf die glitzernde Skyline über der Bucht, und in der Ferne spannt sich in weitem Bogen die große Gwangan-Brücke (광안대교), Busans Diamant-Brücke, über das Wasser. Der Schweiß läuft – aber die Augenbrauen halten ihn ja zuverlässig aus den Augen.
Und dann das verdiente Frühstück. 😁 In der SHINNI COFFEE COMPANY, wo ein flauschiger Pudel mit Brille das Wappentier ist und in grünem Neon an der Wand steht: Coffee of the Earth, Loved by Aliens. 🛸 Sogar auf der Kaffeetüte sitzt der kleine Pudel im Weltall am Tischchen, eine Rakete im Rücken – Kaffee für eine Reisende mit Antennen für neue Frequenzen. 😊 Auf dem Tablett dann: ein Flat White mit einem Herz im Milchschaum (natürlich – Busan reiht sich ein in unsere Herzensammlung 💛), ein Blaubeermuffin, eine Scheibe rosarote Crêpe-Torte, ein goldener Käsetoast und ein Eiskaffee mit knusprigen Cornflakes obenauf. Nach so einem Marsch schmeckt selbst der Muffin nach Belohnung.
Amy lugt unter ihrer rosa Kappe hervor, die Beine baumeln, alle sind satt und zufrieden. Erst schwitzen, dann schlemmen – so geht Urlaub im Urlaub. 🌊☕
Und dann: ein Strandtag, und was für einer – die Sonne brennt vom Himmel. 🔆 Unter grünen Sonnenschirmen – Sun & Fun Haeundae – reiht sich Liege an Liege, das Meer türkis und voller Schwimmer. Bei dieser Hitze macht vor allem einer das große Geschäft: der Schattenverkäufer, der die Schirme vermietet. 😂 Recht hat er – ohne Schatten hält man es hier keine zehn Minuten aus.
Und weil Oma sich in den Sand legt, weiß Amy sofort, was zu tun ist: aus Muscheln wird ein Gesicht gelegt. 🐚 Eine Muschel aufs Auge, eine auf die Nase, welche auf die Wangen – fertig ist die Meerjungfrau von Haeundae, gestaltet von Amy. 😄 Man wird ja nie zu alt, um von seiner Enkelin zur Sagengestalt verwandelt zu werden.
Erst der Berg der Erleuchtung, dann die Höllen der U-Bahn, jetzt eine Meerjungfrau im heißen Sand – diese Reise macht mit einem, was sie will. Und man lässt es einfach geschehen. Field Diving am Strand: Augen zu, Muscheln drauf, Meer im Ohr. 🌊🧜♀️💛
21. August 2026 · Freitag · 🇰🇷 Busan · SHINNI COFFEE COMPANY
Recognized by the Universe – die Frau hinter dem Kaffee-Alien
Wir sind noch einmal zurück in die SHINNI COFFEE COMPANY – diesmal nicht zum Frühstück, sondern für ein Gespräch. Wir wollten den Chef kennenlernen, die Person hinter dem Kaffee-Alien. Und der Chef? Ist eine Frau: Shin Young Shin (신영신), von allen Shinni genannt – CEO und Head Roaster der SHINNI COFFEE COMPANY. Sie hat in Seoul Kunst und Musik studiert, aufgewachsen ist sie hier in Busan. Mit Maries Koreanisch und ein bisschen KI wurde aus einem höflichen Zettel auf dem Handy ein richtiges, warmes Gespräch.
Ihr Café ist ein Bekenntnis: Transparenz, Ehrlichkeit, Vertrauen, Qualität. Deshalb steht die Rösterei mitten im Raum hinter Glas – man soll sehen, was man trinkt. Ihre Bohnen holt sie von weit her, aus Panama, von Auktionen. Und das Alien? Shinni liebt das Universum. Der kleine Außerirdische, der ihren Kaffee liebt, ist kein Marketing-Gag, sondern ihre Sehnsucht nach dem Großen, mitten in einer Tasse.
Und dann reichte sie uns ihre Visitenkarte. Darauf steht, schlicht und schwarz: Recognized by the Universe. 🌌 Mir stockte kurz der Atem. Da baue ich gerade ein Buch und eine Seite namens Maggie's Universe, in der alles miteinander verbunden ist – und hier, in einem Café in Busan, hält mir eine Fremde eine Karte hin, auf der genau das steht. Zwei Universen, die sich auf einem Ledersofa erkennen. Manchmal zwinkert einem das Feld eben zurück.
Zum Schluss noch ein Lacher: Unser Lieblings-Kaffeetütchen mit dem Alien (WAYCAN) zeigt ausgerechnet ihren allergünstigsten Kaffee. 😂 Sie holte stattdessen stolz eine legendäre Geisha hervor. Die Pointe behalten wir trotzdem – gerade weil sie so schön menschlich ist. Zwei Frauen, zwei Länder, je ein Notizbuch auf dem Schoß, und über uns leuchtet der Kaffee-Alien. Recognized by the Universe. Wir auch. 💛
Busan im August hat verschiedene Temperaturstufen, und ich habe sie wissenschaftlich eingeteilt. 🌡️ Heiß bedeutet: Augenbrauen-Wetter – die Brauen halten den Schweiß tapfer aus den Augen, so wie ich es auf dem Bukhansan gelernt habe. Sehr heiß bedeutet: Wimpernwetter – wenn selbst die Augenbrauen versagen und die Wimpern die zweite Verteidigungslinie bilden. 🤣 Heute war eindeutig Wimpernwetter.
Also Rettung in den nächstbesten Kühlraum: die Haeundae Platform, ein Medienkunst-Raum mit Kunstrasen, Zimmerpflanzen und riesigen Projektionen. Sonnenbrille auf, ab in den Sitzsack, Klimaanlage sei Dank. 🕶️🌿 Draußen brennt Korea, drinnen liegt eine Oma im Gras vor einem projizierten Hanok und tut: gar nichts. Herrlich.
Und weil aus jedem Schweiß-Problem eine Kunstfigur werden darf, hat der Tag sein Wappen bekommen: Maggie Kahlo. Augenbrauen? Da! Wimpern? Noch. 🌸 Manche sammeln auf Reisen Magnete – ich sammle Wetter-Kategorien und ein Alter Ego mit Blumenkranz. 💛
Samstag heißt bei uns inzwischen: erst nach oben. 🏊♀️ Ganz oben auf unserem Turm liegt ein Infinity-Pool, und gleich dahinter – man glaubt es kaum – ein Café namens HAMPTON COFFEE, mitten im Himmel über Haeundae. Das Wasser fließt scheinbar direkt in die Skyline hinein, ringsum ein Wald aus Wolkenkratzern bis zum Horizont, dazwischen dümpelt ein weißer Eisbär-Schwimmreifen vorbei. ☕🌆 Von den 27 Höllen-Etagen der Seouler U-Bahn bis hier hoch in den Pool über der Stadt – diese Reise kennt wirklich alle Stockwerke.
Am Nachmittag dann, mitten im Trubel der Stadt, ein Schild, das mich anhielt wie ein kleiner Wegweiser. 🚏 Über einem Laden (Butter Shop, unten ein GS25) fragen knallrote Leuchtbuchstaben in einer Reihe blinkender Glühbirnen: WHERE DO YOU FIND YOUR HAPPINESS? 💡 Ausgerechnet mir, die gerade an einem Buch mit dem Titel „Entschuldigung, wo geht's denn hier zum Leben?“ schreibt, stellt eine Ladenfassade in Busan genau diese Frage. Ich musste lachen. Das Feld stellt seine Wegweiser eben dorthin, wo man gerade langgeht – man muss sie nur lesen. 💛
Und abends: die Brücke. 🌉 An der Strandpromenade von Gwangalli drängen sich die Menschen im Sand, vor ihnen leuchtet die große Gwangan-Brücke (광안대교) in allen Regenbogenfarben und spiegelt sich in tausend Streifen im Wasser. Dann heben Hunderte Drohnen ab und malen mitten in den Nachthimmel eine Figur: ein kleiner Kerl mit Kopfhörern und Sonnenbrille, der eine Gitarre schrammelt, umtanzt von leuchtenden Notenzeichen. 🎸✨ Ein ganzer Strand hält den Atem an und schaut nach oben. Erst der Pool im Himmel, dann der Wegweiser, jetzt Musik aus Licht über dem Meer – Busan, du machst das wirklich gut. 🌊💫
23. August 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Busan · Haeundae
Lachen ohne Worte, Kuchen bei Shinni, Karten für Marie
Sonntagabend in Haeundae, und plötzlich stehen wir mitten in einem Festival. 🎪 Der Asphalt ist zu einem Sternenhimmel geworden: BUSAN INTERNATIONAL COMEDY FESTIVAL, gemalt in Blau und Violett, mit gelben Sternen und Sprechblasen. Darüber eine Lichterkette, ringsum die Neonschilder der Stadt, ganz oben am schwarzen Himmel der Mond. Und mittendrin ein Mann in weinrotem Hemd, gepunkteter Krawatte und pinkfarbenem Eimerhut, der die Arme hochreißt wie ein Weltmeister. Auf dem Schild neben ihm steht: 더 해프닝쇼 – The Happening Show.
Und dann passiert das Schönste: Wir verstehen kein einziges Wort – und lachen trotzdem. 🤣 Er jongliert mit roten Eimern, verzieht das Gesicht, lässt genau die Dinge fallen, die im richtigen Moment fallen müssen, und die drei Männer vor uns auf den Stufen wackeln vor Lachen. Humor braucht keine Vokabeln, er braucht Timing. Für mich, die seit Wochen mit Übersetzungs-App durch dieses Land stolpert, war das ein kleines Wunder: Es gibt hier eine Sprache, die ich ohne Handy verstehe. Am Rand hängt eine große blaue Tafel mit allen Künstlern, unter jedem Foto ein leeres Feld: 이 곳에 스티커를 붙여주세요 – Bitte kleben Sie Ihren Sticker hierher. 💛 Das Publikum stimmt mit Herzen und Sternen ab, Applaus zum Ankleben. Bei Nummer 03, dem Happening-Mann, ist das Feld schon richtig voll. Verdient. Und dann der Moment, mit dem wir nie gerechnet hätten: Marie wird kurzerhand auf die Bühne geholt! 🎤 Da steht sie, im hellblauen Kleid, das Mikro in der Hand, neben einem Künstler, der sich eine ganze Stange auf dem Kinn balanciert – unsere Übersetzerin, plötzlich selbst mitten in der Show auf der Comedy Street. Wir haben Tränen gelacht.
Danach: Kaffeepause bei Shinni. ☕ Aus der Frau, die uns vor ein paar Tagen wildfremd ihre Karte in die Hand gedrückt hat, ist längst etwas anderes geworden. Amy und sie sitzen nebeneinander auf der Ledercouch, vor sich ein Stück Crêpe-Torte, Schicht für Schicht gestapelt, und betreiben mit zwei Gabeln eine sehr konzentrierte, sehr ernsthafte Kuchen-Diplomatie. 🍰 Daneben Limonade und Eistee, ringsum das Café mit seiner Kuchentheke und den Shirts am Ständer. Viel gemeinsame Sprache haben die beiden nicht – aber einen gemeinsamen Teller, und das reicht vollkommen. Zwei Kontinente, eine Torte. Recognized by the Universe, würde ich sagen. 💛
Und zum Abschluss des Abends noch eine Tür, hinter der es rosa leuchtet: ein winziger Laden fürs Kartenlegen, kaum größer als ein Wohnzimmertisch. 🔮 Neonlicht, Blumenmuster an der Wand, eine gelbe Lotuskerze im Fensterbrett – und dahinter eine Frau mit runder Brille, roter Perlenkette und rosa Bluse, die auf einem sternenübersäten Tuch die Karten auslegt. Marie sitzt ihr gegenüber, Amy schmiegt sich an ihre Seite, draußen zieht die Nacht von Haeundae vorbei. Ich habe wieder kein Wort verstanden – aber ich habe Maries Gesicht gesehen, und das war Erklärung genug. ✨ Ein Abend, drei Begegnungen, und keine einzige lief über Sprache: einer, der uns zum Lachen brachte, eine, die uns Kuchen gab, und eine, die in die Karten schaute. Das Feld erzählt eben auch ohne Vokabeln weiter. 💫
24. August 2026 · Montag · 🇰🇷 Busan · Haeundae
Abschied von Busan: Morgenstrand, ein Geschenk, kühler Nebel
Ein letzter Morgen am Meer, und der Haeundae-Strand gehört fast uns allein. 🌅 Die Sonne steht noch tief, der Sand ist glatt und kühl, überall die Abdrücke von Füßen, die schon vor uns hier waren – Hunderte kleine Fußspuren, die das Meer bis Mittag wieder abwischt. Vor uns rollen die Wellen in langen weißen Reihen heran, dahinter schaukeln die roten Bojen, die das sichere Schwimmfeld markieren (ja, die aus Koreas Regeln 😉), und weiter draußen wacht eine gelbe Boje mit einer kleinen Figur über dem Wasser. Kein Schirm, kein Gedränge, nur Rauschen. So einen Strand bekommt man nur am frühen Morgen geschenkt.
Dann noch einmal in die SHINNI COFFEE COMPANY – diesmal mit einem Geschenk im Gepäck. 🎁 Aus der Fremden mit der Visitenkarte ist eine Freundin geworden, und Freundinnen verabschiedet man nicht mit leeren Händen. Also liegt zwischen uns auf dem grünen Tisch eine bunte Tüte voller Aliens, Planeten und Sterne, darauf: For you – 우주에서 가장 특별한 너에게: Für dich, das besonderste Wesen im ganzen Universum. 🛸 Passender geht es nicht. Daneben ein Erdbeer-Milch-Getränk im Becher mit dem kleinen Pudel-Alien-Logo, und über allem schwebt weiter der Satz, mit dem alles anfing: Recognized by the Universe. Wir kamen vor ein paar Tagen für ein Interview – und gehen mit einer Freundschaft. Manche Cafés verlässt man einfach nicht mehr als dieselbe Person. Zum Schluss noch ein Gruppenfoto, alle zusammen mit Shinni unter dem grünen Alien-Spruch Coffee of the Earth, Loved by Aliens. 🛸 Ich hatte den Arm schon zum Herz über ihrem Kopf gebogen – aber unser Fotograf brauchte so lange, dass mein Herzarm längst wieder unten war, als es endlich klick machte. 😀🫶 Macht nichts: Das Herz war ja trotzdem da – man sieht es nur nicht immer auf dem Bild. 💛
Und weil Busan uns zum Abschied noch einmal zeigen will, was Hitze heißt: An den großen Kreuzungen und Promenaden stehen weiße Segeldächer und schlanke Bögen, die einen feinen Wassernebel versprühen – Kühlnebel für Fußgänger. 💨 Man läuft hindurch und wird für ein paar Sekunden in eine Wolke gehüllt, die Haut atmet auf, und weiter geht es. Ein ganzes System, nur damit niemand auf dem Weg zur Ampel schmilzt. Von der ersten Höllenhitze in der Seouler U-Bahn bis zu diesem klugen Nebel am Meer – Korea findet für jedes Wetter eine Lösung. Wir sagen Busan langsam Tschüss: mit nebelfeuchter Haut, einem leeren Morgenstrand im Herzen und einer Freundin, die uns Recognized by the Universe geschenkt hat. 🌊💫
26. August 2026 · Mittwoch · 🇰🇷 Seoul · Gyeongbokgung (경복궁)
Im Hanbok durch den Palast – zurück in Seoul
Zurück in Seoul – und was für ein Wiedersehen mit der Hauptstadt: ein Tag im Palast. 🏯 Am Gyeongbokgung (경복궁), dem großen Königspalast der Joseon-Zeit, haben wir uns verwandelt. Marie in Türkis-Gold, Amy in zartem Rosa – zwei kleine Prinzessinnen im Hanbok (한복), dem traditionellen koreanischen Gewand, mit weiten Röcken, die bei jedem Schritt schwingen. 👘 In Korea trägt man Hanbok zum Palast wie anderswo ein Festkleid: Wer im Hanbok kommt, darf sogar kostenlos hinein. Amy hat sich sofort in ihre Rolle verliebt und für jedes Foto posiert wie eine echte Hoheit. 😄
Am großen Tor Gwanghwamun (광화문) dann das Schauspiel, auf das alle warten: die Wachablösung. 🥁 Trommeln, wehende Fahnen in Gelb, Rot und Blau, Männer in prächtigen Gewändern mit langen Bärten und schwarzen Hüten, die in strengem Schritt aufmarschieren – eine Zeremonie, fast unverändert seit Jahrhunderten. Hinter den geschwungenen Palastdächern steigen die grünen Berge auf, und dreht man den Kopf, glänzen ringsum die Glastürme der modernen Stadt. Altes Korea und neues Korea, Schulter an Schulter. Genau dafür liebe ich dieses Land.
Hinter den großen Höfen wird es dann ganz still. 🪷 Ein weiter Lotusteich, dicht an dicht die runden grünen Blätter und ein paar rosa Blüten, und mittendrin auf einer kleinen Insel der Pavillon Hyangwonjeong, über ein zierliches Brückchen erreichbar. Marie und Amy schlendern im Hanbok am Ufer entlang, und über den alten Dächern taucht in der Ferne – ganz zart – der Namsan-Turm auf. 🗼 Ein Bild wie aus zwei Zeiten übereinander. Zum Schluss standen wir noch vor der großen Thronhalle Geunjeongjeon (근정전), auf uralten Steinplatten, zwischen steinernen Fabelwesen – zwei Reisende aus Goslar, für einen Nachmittag mitten in Koreas Geschichte. 💛
27. August 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Seoul
Ein Wiedersehen am anderen Ende der Welt
Manchmal reist man um die halbe Welt und findet – Familie. 🥹 Wir saßen in einem hellen Café in Seoul, hohe Bogenfenster, Grünpflanzen, und mir gegenüber: Merle. Wie wir verwandt sind? Halt dich fest: Merle ist die Tochter der Schwester meiner Schwägerin. 😂 Man braucht einen Moment, um das zu sortieren – aber das Herz braucht keine Verwandtschaftstabelle. Es war einfach schön, ein vertrautes Gesicht aus der Heimat hier am anderen Ende der Welt in den Arm zu nehmen.
Und Merle hat etwas gefunden, das größer ist als ein Urlaub: Sie hat in Seoul ihre Liebe entdeckt – zu dieser Stadt und in dieser Stadt. ❤️ Während wir durch Korea gestolpert, gestaunt und uns verlaufen sind, hat sie hier ihr Zuhause im Herzen gefunden. Es hat etwas Tröstliches: Dieselbe Stadt, die uns anfangs wie eine Hölle aus Rolltreppen vorkam, ist für einen anderen Menschen genau der Ort, an dem das Glück wohnt. So verschieden kann ein und dieselbe Fremde sein – je nachdem, wer sie mit welchen Augen ansieht.
Unsere kleine, weitverzweigte Reisetruppe auf einer Café-Bank, die Rucksäcke neben uns, Seoul vor dem Fenster. 💛 So ein Wiedersehen plant man nicht – es passiert einem. Genau die schönste Sorte Reisemoment.
28. August 2026 · Freitag · 🇰🇷 Seoul · Namsan (남산) & N Seoul Tower
Hoch hinaus – der Seoul Tower und ein Wegweiser nach Hause
Heute hoch hinaus: der Seoul Tower auf dem Namsan (남산). 🗼 Statt mit der Seilbahn sind wir zu Fuß hinauf, über den Namsan Sky Forest Trail (남산 하늘숲길) – einen luftigen Holzsteg mitten durch den Wald, die ersten gelben Blätter schon auf dem Boden, es riecht ein bisschen nach Herbst. Und dann steht er da: der schlanke weiße Turm auf dem grünen Berg, das Wahrzeichen, das wir wochenlang von überall aus am Horizont gesehen haben. Jetzt sind wir mittendrin.
Und die Aussicht! 😮 Vom Berg aus liegt Seoul in alle Richtungen ausgebreitet, ein endloses Meer aus Häusern und Türmen bis zum Horizont – und ringsum, wie eine Schale, die grünen Berge: Bukhansan, Inwangsan, Namsan selbst. Eine Tafel am Aussichtspunkt (Jamdubong Photo Island) hilft, sie alle beim Namen zu nennen. So groß, so dicht, so lebendig – und trotzdem immer der Wald gleich nebenan. Genau dieses Nebeneinander von Megastadt und Natur habe ich in Korea so liebgewonnen. 🌳🏙️
Oben dann ein Rausch der Farben: die berühmten Liebesschlösser. 🔒❤️ Zehntausende bunte Herzen, überall Namen, Daten, Versprechen, aneinandergekettet an jedem Geländer – nach Merles Seoul-Liebe von gestern heute ein ganzer Berg voller Liebe. Und mittendrin ein blauer Wegweiser, der in alle Welt zeigt: Rom, Paris, London, San Francisco … 🧭 Tokyo liegt gleich um die Ecke – nur 1.158 km, fast ein Nachbar. Und ganz oben, am anderen Ende der Welt: Berlin, 8.138 km. Naher Nachbar und ferne Heimat auf ein und demselben Pfahl. Für einen Moment stockt einem der Atem: So weit weg ist zu Hause – und doch steht es hier, auf einem Schild, mitten in Seoul. Man reist bis ans andere Ende der Welt und findet dann einen Pfeil, der nach Hause zeigt. 💛
29. August 2026 · Samstag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사), Nordseoul
Ein neues Zuhause am Berg – und die große Glocke
Ein neues Zuhause – und was für eins! 🏔️ Seit heute wohnen wir im Norden Seouls, direkt am Fuß des Berges. Vor der Tür kein Straßenlärm, sondern Wald – und dahinter türmen sich die zerklüfteten Felsgipfel des Bukhansan auf, an denen ich im August ganz allein hinaufgeklettert bin. Vom Aussichtspunkt liegt die Stadt weit ausgebreitet, ein Meer aus Hochhäusern bis zum Lotte World Tower am Horizont – und trotzdem ist der erste Nachbar hier: der Berg. Direkt vor der Tür beginnt der Bukhansan Dulegil, der grüne Rundweg rund um den Berg – ein Wegweiser zeigt zum Ilju-mun, dem Eingangstor von Hwagyesa, nur 1,4 km. Vom Gipfel-Abenteuer zum Vor-der-Tür. Manchmal schließt das Feld seine Kreise ganz leise. 💚
Gleich am ersten Tag bin ich hinauf zum Bergtempel Hwagyesa (화계사), bekannt für seine Zen-Tradition und eine internationale Meditationsschule. 🛕 Zwischen alten Hanok-Dächern, Lampions und dem Duft von Räucherwerk führt ein Weg zur Halle des Maitreya, des kommenden Buddha. Und dann dieser Moment, bei dem ich lächeln musste: Auf einer Tempelbank saß ich mit einem kleinen Buch in der Hand, das ein Zen-Meister geschrieben hat. Sein Titel: Only Don't Know – Nur nicht wissen. 😊 Ausgerechnet ich, die um die halbe Welt reist, ohne vorher zu wissen, was kommt, sitze an einem Bergtempel und halte genau diesen Satz in den Händen. Nur nicht wissen. Genau das mache ich seit Wochen – und es fühlt sich richtig an.
Und dann durfte ich etwas, das ich nie vergessen werde: die große Tempelglocke läuten. 🔔 Sie ist mächtig, mannshoch, aus grüner Bronze, mit Blumen und einem fliegenden Himmelswesen verziert – und geschlagen wird sie nicht mit einem Klöppel von innen, sondern von außen, mit einem schweren Holzbalken. Eine freundliche Ordensfrau reichte mir das Seil und nickte mir zu. Ein Schwung – und ein tiefer, runder Ton rollte über den Wald, so lang, dass man ihn noch spürt, wenn man ihn schon nicht mehr hört. Es heißt, der Klang einer solchen Glocke reiche bis zu allen Wesen, auch den leidenden. Für einen Moment stand ich einfach da und ließ den Ton durch mich hindurchgehen. Was für ein Willkommen in unserem neuen Zuhause. 💛 Und es kommt noch schöner: Nächsten Samstag komme ich wieder – ich habe mich zum Templestay angemeldet, ein paar Tage Leben im Rhythmus des Klosters. Was mich dort erwartet? Nur nicht wissen. 😊🔔
1. September 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · Seoul Trail (서울둘레길), Bukhansan
Regen auf dem Seoul Trail – eine Gottesanbeterin und Koreas Blume
Ein grauer, regnerischer Tag – aber warm wie in einem Treibhaus. 🌧️ Statt drinnen zu bleiben, bin ich einfach los, hinaus auf den Seoul Trail (서울둘레길), den großen Wanderweg, der sich einmal rund um die Stadt legt und direkt bei uns am Berg vorbeiführt. Ein Wegweiser zeigt zum Ilju-mun von Hwagyesa, nur 1,7 km. Bei Regen hat der Wald etwas ganz Eigenes: Er duftet nach nasser Erde, alles glänzt, und man hat die Pfade fast für sich allein.
Und wer bei Regen genau hinschaut, wird beschenkt. 🦗 Auf einem nassen Geländer saß, seelenruhig, eine Gottesanbeterin – bräunlich, mit gefalteten Fangbeinen, den dreieckigen Kopf zu mir gedreht, als wollte sie fragen, was ich hier verloren habe. Wir sahen uns eine Weile an, sie und ich, zwei Geschöpfe im selben Regen. Dann liefen mir Tropfen in den Kragen, und ich zog weiter – über glitschige Steinstufen tiefer in den grünen, tropfenden Wald hinein.
Und dann, mitten im Grün, eine rosa Blüte mit einem tiefroten Herzen, jedes Blütenblatt voller Regenperlen: eine Mugunghwa (무궁화), die Rose von Scharon – Koreas Nationalblume. 🌸 Ihr Name bedeutet so viel wie unendlich, ewig blühend, weil sie den ganzen Sommer über immer neue Blüten öffnet. Ausgerechnet an einem trüben Regentag leuchtet sie am schönsten. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion dieses nassen Nachmittags: Man muss nicht auf die Sonne warten, um etwas Schönes zu finden. Man muss nur rausgehen. 💛
2. September 2026 · Mittwoch · 🇰🇷 Seoul · Dream Forest (북서울꿈의숲)
Oma-und-Amy-Tag im Dream Forest
Marie lag mit einer Erkältung flach – also hieß es: Oma und Amy, ein Tag zu zweit. 👵👧 Und wohin mit einem freien Tag? In den Dream Forest, den 북서울꿈의숲, einen riesigen Waldpark gleich bei uns im Norden Seouls. Ein ganzer Tag nur wir beide, ohne Plan, ohne Eile – die schönste Sorte Großmutter-Enkelin-Zeit. 💛
Der Park ist ein kleines Wunderland. 🌳 Wir schlenderten über den Dream Forest Trail, vorbei an hohen Holzsäulen, über und über bepflastert mit kleinen bemalten Kacheln – Hunderte Kinderbilder, Bäume, Herzen, Sonnen, jede Fliese ein kleiner Traum. Dann hinauf auf den gläsernen Aussichtsturm: Von dort liegt der ganze Norden Seouls zu Füßen, das Häusermeer bis zum Lotte World Tower, und am Horizont die zackigen Felsgipfel des Bukhansan – unseres Hausbergs. Amy setzte sich auf eine Bank, den Rucksack daneben, die ganze Stadt vor sich, und war für einen Moment ganz still. Solche Augenblicke vergisst man nicht.
Unten wartete ein Garten voller Leben. 🐝 Ein Beet mit dem Namen PLAN BEE, mit einer riesigen Gänseblümchen-Skulptur mitten zwischen echten Blüten – gepflanzt, damit die Bienen ein Zuhause haben. Und tatsächlich brummte eine dicke, schwarz glänzende Holzbiene von Blüte zu Blüte, und pinke Hibiskusblüten, so groß wie Handteller, wippten im Wind. Am Ende liefen wir durch die stillen Gassen nach Hause, den Bukhansan immer vor uns, Amy in ihrem Kuromi-Kleid voran. Ein Tag ohne Marie, ein bisschen als Trost gedacht – und doch ein kleines Geschenk für uns zwei. Gute Besserung, Marie! 💐
3. September 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Seoul · Bukhansan (북한산)
Mein Hausberg – oben auf dem Fels, die Arme weit
Mein Hausberg. 🏔️ Ich muss es immer noch zweimal sagen, um es zu glauben: Der Bukhansan, dieser gewaltige Fels über Seoul, ist jetzt mein Nachbar. Heute bin ich einfach von der Haustür losgegangen und hinaufgestiegen – durch kühlen Kiefernwald, über Wurzeln und warmen Granit, und über mir die zerklüfteten grauen Gipfel, die aussehen, als hätte ein Riese sie aus der Erde gebrochen. Kein Ziel, keine Eile. Einfach hoch.
Und dann, auf einem großen runden Felsen, öffnete sich alles. 😍 Unter mir lag ganz Seoul, ein endloses Meer aus Häusern bis zu den blauen Bergketten am Horizont, gerahmt von zwei krummen Kiefern wie auf einem alten koreanischen Gemälde. Ich hatte die Kamera auf einen Stein gestellt, den Selbstauslöser gedrückt, bin auf den Fels gesprungen – und habe einfach die Arme aufgerissen. 🙌 So fühlt es sich an, wenn ein Berg, auf dem man einmal Gast war, plötzlich zu einem gehört. Im August hatte ich ihn von unten erobert; heute stand ich oben, und er gehörte zu mir. Field Diving mit Aussicht.
Doch der Berg gehört nicht nur mir. 🐗 Auf dem Weg, an einem kleinen Bachlauf, stand plötzlich – mitten auf dem Pfad – ein echtes Wildschwein. Kein Zaun, kein Zoo: ein kräftiges, borstiges Tier, das mich aus kleinen Augen musterte, während es gemächlich über die Steine stapfte. Mir stockte kurz der Atem, denn Wildschweine sind nicht ohne – und tatsächlich warnt am Wegrand ein rotes Schild mit einem grimmigen Comic-Eber: 멧돼지 출현 주의, Achtung, Wildschweine! Zehn Millionen Menschen, U-Bahnen bis zum Erdkern, Hochhäuser bis zum Horizont – und mittendrin läuft dir ein Wildschwein über den Weg. Genau das liebe ich an diesem Land: Es hört einfach nicht auf, einen zu überraschen. 😊
Es ist ein seltsames, schönes Gefühl, dass hinter der eigenen Wohnungstür kein Flur beginnt, sondern ein Wald – und dahinter dieser Berg. 🌲 In einer Stadt mit zehn Millionen Menschen hat man hier oben plötzlich Stille, Wind und einen Adlerblick über alles. Ich glaube, ich werde diesen Weg jetzt oft gehen. Willkommen zu Hause, am Berg. 💚
5.–6. September 2026 · Wochenende · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사) · Templestay
Templestay – Only Don't Know
Zwei Tage im Kloster. 🙏 Am Fuß meines Hausbergs, im Bergtempel Hwagyesa, habe ich beim Templestay mitgemacht – dem Programm mit dem vielleicht schönsten Titel der Welt: Only Don't Know. Nur nicht wissen. Genau das, was ich seit Wochen übe. Mein Zimmer trägt einen Namen statt einer Nummer: 홍련, Red Lotus – die rote Lotusblüte. Auf der kleinen Tafel an der Tür steht mit Filzstift: 2026 9.5–6, Margit. Für zwei Tage war das mein Haus. 🪷
Das Templestay-Haus ist ein prachtvolles Hanok: geschwungene grüne Dächer, rote Balken, feine türkis-rote Malereien unter den Traufen, ringsum Kiefern und Bergstille. Handy weg, Uniform an – ein schlichtes blau-graues Gewand – und schon tickt die Zeit anders. Langsamer. Klarer.
Los ging es mit der Einweisung. 📺 Per Video lernten wir, wie man sich im Tempel benimmt – wo man die Schuhe lässt, wie man geht, wie man grüßt. Dann erklärte uns eine Lehrerin geduldig, wie man die 108 Perlen zu einer Mala fädelt – 108, die Zahl, die mich diese ganze Reise begleitet (ich habe ja 108 Perlen im Gepäck 📿). Und schließlich durften wir die Niederwerfung üben: die tiefe buddhistische Verbeugung, bei der man sich ganz zu Boden senkt – Stirn, Hände, Knie zur Erde. Sich so klein zu machen, fühlt sich überraschend groß an. Und das war erst der Anfang des ersten Tages …
Am Nachmittag führte uns eine Nonne über das Gelände: Cheong Shim (청심스님). Mit Strohhut, kleinem Mikrofon und einem Lächeln, das den ganzen Berg zu wärmen schien, zeigte sie uns Halle für Halle. Vor der YEOUI-Bodhisattva-Statue aus hellem Granit blieb sie kurz stehen und erklärte uns die Figur. 🪷 In den Haupthallen hängt über dem Dach das Taegeuk-Zeichen, davor liegt der stille Hof mit seinen Bänken – und ringsum nichts als Wald und Bukhansan.
Das Herzstück der Führung aber war der Jangdokdae: eine ganze Hangterrasse voller brauner Tonkrüge, Hunderte Onggi in der Sonne. In ihnen reift, was den Tempel ernährt – Sojapaste, Doenjang, Gochujang. Und Kimchi, zwei Jahre alt. 😋 Cheong Shim hob einen Glasdeckel, holte einen Streifen tiefroten Kimchi heraus und ließ uns probieren. Zwei Jahre Zeit auf einer Zungenspitze: würzig, tief, lebendig. Hier wird nichts gehetzt – nicht einmal das Gemüse. 😜
Gegessen wird im großen Saal im Untergeschoss: lange Holztische, Reihen heller Stühle, an der Wand ein Buddha-Bild. 😋 Tempelküche heißt vegetarisch, ohne Knoblauch und Zwiebel – und nichts wird weggeworfen. Man nimmt sich nur, was man wirklich isst, und gibt den Teller am Ende blitzblank zurück. Essen als Übung in Achtsamkeit.
Und dann der Ort, an dem gebetet wird: die große Halle mit vier goldenen Buddha-Figuren, dahinter eine ganze Wand aus Tausenden winzigen goldenen Buddhas. Über allem hängen, dicht an dicht, unzählige Lotus-Lampions in Rosa und Gelb – an jedem ein kleiner Zettel mit einem Namen, einem Wunsch, einem Gebet. 🪷 Man legt sich ein Sitzkissen zurecht, setzt sich auf den warmen Holzboden und wird ganz still. Hier haben wir gechantet und die Niederwerfungen gemacht, die wir vorher geübt hatten. 🙏
Am späten Nachmittag dann die Glocken-Zeremonie im Glockenpavillon. 🔔 Unter dem bunt bemalten Dach mit seinen Drachenköpfen hängt eine riesige Bronzeglocke, verziert mit fliegenden Himmelswesen. Geschlagen wird sie von außen – mit einem schweren, an Seilen aufgehängten Holzbalken. Der Klang ist unfassbar: tief, voll, endlos. Er rollt wie eine Welle durch den ganzen Körper und läuft dann hinaus in die Berge. Es heißt, sein Klang reiche bis zu allen Wesen – auch den leidenden. 🌊
Der Abend gehörte mir allein. 🌙 Kein Programm mehr, nur Stille. Ich blieb draußen bei den beleuchteten Steinfiguren: ein weißer Marmor-Buddha unter einer Kuppel, davor eine Reihe kleiner Mönchsfiguren, ringsum Wände voller bunter Wunschblätter in Herzform. Auf ihnen stehen Wünsche in vielen Sprachen – „field and family happiness“, „For Dear Mom“, „Loving slowly and being brave enough to accept peace“. Der Wald, der Himmel, die Nachtwesen und ich. Und während unten am Han-Fluss eine Million Menschen zum großen Feuerwerk zusammenströmten, saß ich hier oben in vollkommener Ruhe. Ich hätte mit niemandem tauschen wollen. ✨
Tag zwei begann, als es noch dunkel war. 🕯️ Um 5:15 Uhr das Morgen-Chanting, danach eine Morgenmeditation im Kerzenschein – jeder für sich, um eine einzige kleine Flamme herum, auf der Suche nach dem eigenen inneren Licht. Auf die große Frage „Wer bin ich?“ gibt es hier nur eine Antwort: Only don't know. (Und: die Schuhe immer schön draußen lassen. 😉)
Und dann, als die Sonne aufging und ihr Licht durch die Bäume brach, kam sie doch noch – die kleine „Erleuchtung“. 😃 Nicht als großer Donnerschlag, sondern als warmes Leuchten zwischen den Blättern, mit rosa Lichtkringeln in der Luft. Genau so ist dieser ganze Ort: still, klar – und plötzlich ganz hell. 🌄
Geteilt habe ich diese Tage mit einer kleinen internationalen Gruppe: Luisa aus Kolumbien und Giovanni aus Italien, geführt von Cheong Shim. 🌏 Gemeinsam saßen wir in der Meditation, gemeinsam gingen wir im ersten Morgenlicht den Waldweg hinauf – schweigend, einer hinter dem anderen, während die Sonne schräg durch die Bäume fiel. Fremde am Freitag, Weggefährten am Sonntag. So geht das hier. 🙏
Um 6:30 Uhr das Frühstück – und was für eines! 😋 Ein schwarzer Teller voller Tempelküche: gedämpfter Kürbis, Tofu, Rettich, Sojasprossen, Lotuswurzel, gewürzte Wildkräuter, Zucchini- und Auberginen-Häppchen. Alles vegetarisch, alles fein. Die Regel ist einfach und streng zugleich: Der Teller muss leer werden. Kein Rest, kein Wegwerfen. Und danach? Abwaschen und Abtrocknen erledigt jeder selbst – draußen an den Spülbecken unter den bunt bemalten Tempeltraufen. 🍽️
Zum Abschluss am Sonntagvormittag: die Teezeit mit Cheong Shim. ☕ Erst goss sie uns Tee aus gläsernen Kannen ein, dann – zur Überraschung – zauberte sie unter den Hanok-Traufen einen von Hand gefilterten Pour-over-Kaffee, ganz in Ruhe, Tropfen für Tropfen, mit Blick über die geschwungenen Tempeldächer in den grünen Bergwald. Ein Bergkloster, ein Strohhut und der beste Filterkaffee weit und breit. 😄
Und ganz zuletzt standen wir gemeinsam auf der Aussichtsplattform, dem „Cloud Lookout“ – unter einem Himmel, der aussah wie gemalt: riesige weiße Wolken, die sich im blank polierten Granit spiegelten. Tee, Kaffee und Wolken. 🌤️ Zwei Tage Only Don't Know gingen zu Ende. Ich stieg den Berg hinab, zurück in mein Seouler Leben – ein bisschen langsamer, ein bisschen klarer. Und mit 108 Perlen in der Tasche. 📿
8. September 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul → Hanam · Starfield
Der Himmel über Seoul
Nach der Klosterstille heute ein ganz anderer Tag: rein in die pulsierende Großstadt. 🚌 Zwei Stunden mit dem Bus quer durch Seoul bis nach Hanam, zum Starfield – einem der größten Einkaufszentren des Landes. Aber ehrlich gesagt hat mich unterwegs erst einmal etwas ganz anderes gefesselt: der Himmel über Seoul.
Was für ein Himmel! ☁️ Über dem Han-Fluss türmen sich weiße Wolkenfelder, in der Ferne ragt der Lotte World Tower wie eine silberne Nadel empor. Über den Nebenflüssen, den breiten Straßen, den endlosen Apartmenttürmen – überall dieser weite, bewegte Himmel. Und immer wieder, am Rand der Stadt, die grünen Berge, die Seoul umarmen. Zwei Stunden Busfahrt vergehen wie im Flug, wenn man einfach nur aus dem Fenster schaut. 🚌💨
Am Ziel dann Hanam: weite, ruhige Straßen, dahinter ein grüner Berg – und irgendwo dort das riesige Starfield. Aber davon erzähle ich gleich weiter … 🛍️
Und da war es also: das Starfield Hanam – riesig, hell, glänzend. 🛍️ Ausgerechnet an diesem Tag feierte es seinen 10. Geburtstag, das „High10sion Festival“: Luftballons überall, eine leuchtende „10“ auf der Bühne, und ein Damen-Trio spielte zur Feier Geige, Cello und Gesang. Zehn Jahre – und mittendrin ich, frisch aus dem Kloster. 🎉
Das Herz des Festes aber war eine große Haustiermesse, die „K-PET FAIR“. 🐶 Es gibt hier sogar eine eigene „VID ZONE“ – Very Important Dog! – mit Hundebetten, Hunde-Kinderwagen (ja, wirklich!) und Leckerlis von einer Marke, die ausgerechnet „TIERHAUS“ heißt. Und dann traf ich den Star des Tages: einen schneeweißen Malteser im Erdbeerkleidchen mit grüner Schleife, brav auf einem Stuhl sitzend, mit eigenem Ausweis um den Hals. Ich musste so lachen. 🍓🐾
Dazwischen der Duft frischer Backwaren, National Geographic, Lululemon, endlose Rolltreppen … Nach zwei Tagen Klosterstille war das ein herrlich lauter, bunter Kontrast. Korea kann eben beides: die tiefe Stille am Berg und das pralle, verspielte Leben in der Megastadt. Und beides mag ich. 😊
Und was für ein Kontrast zur Haustiermesse: eine Etage höher glitzert die Luxuswelt – Swarovski, ein Mercedes-Benz mitten in der Mall, geschwungene Glasgeländer unter einem gewaltigen Glasdach. Und plötzlich, wie in einer echten Boxengasse, ein knalloranger Rennwagen: der Genesis Magma Racing, Startnummer 19, bereit für die großen Rennstrecken der Welt. 🏎️
Doch am meisten gepackt hat mich etwas ganz anderes – und ihr ahnt, warum. 🤖 Mitten im Trubel saß eine ganze Reihe täuschend echter humanoider Roboter an einem langen Tisch: menschliche Gesichter, feine Hände – und darunter offen liegende Mechanik aus Kabeln und Motoren. Sie bewegten sich langsam, fast nachdenklich. Ich blieb lange stehen. Denn genau darum kreist ja mein ganzes Schreiben: Mensch und Maschine, Körper und Bewusstsein, die Frage, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Hier, zwischen Handtaschen und Eiscreme, schaute mich die Zukunft an – und ich schaute zurück. Manchmal kommt das Feld einem auf den seltsamsten Wegen entgegen. ✨
Ach, und den eigentlichen Grund, warum wir überhaupt zwei Stunden hergefahren sind, habe ich noch gar nicht verraten. 🎩 Beim Jubiläumsfest trat Mr. Ham auf – ein wunderbarer Künstler, den wir schon aus Busan kennen und der uns dort ein langes Interview für unser Buch geschenkt hat. Ihn hier, Hunderte Kilometer später, auf der Festbühne wiederzusehen, wie er mit Kristallkugel und Ballons das Publikum verzauberte – das war für uns der Höhepunkt des Tages. 🔮
Nach der Show drehte er aus einem einzigen roten Ballon ein Herz 🎈❤️ – für Amy. Ein gemeinsames Foto, das Peace-Zeichen in die Kamera, und wieder dieses Gefühl: Die Welt ist ein Dorf, und das Feld führt Menschen zusammen. Von Busan bis zur Geburtstagsbühne in Hanam. ✨
9. September 2026 · Mittwoch · 🇰🇷 Seoul · Shopping-Mall
Bällebad & Fußball überm Dach
Und weiter geht der Großstadt-Rausch: am Mittwoch wieder ein Einkaufszentrum – aber diesmal ganz für Amy. 😄 Es gibt einen riesigen Indoor-Spielplatz, und Amy verschwand mit leuchtenden Augen in einem Meer aus blau-weißen Bällen. Ein ganzes Bällebad, nur in Himmelsfarben – man möchte sich am liebsten selbst hineinfallen lassen. 🩵
Das eigentliche Highlight lag aber ganz oben: auf dem Dach ein echter Fußballplatz, eingefasst in hohe Netze, während die Sonne golden hinter der Skyline versank. ⚽🌇 Junge Kicker jagten dem Ball hinterher, hoch über der Stadt. So etwas gibt es hier – wo in Deutschland ein Parkdeck wäre, ist in Seoul ein Sportplatz mit Aussicht.
Und dann noch eine Entdeckung, die genau meine Sprache spricht: der „Hoptimist“. 🟡 Kleine dänische Wackelfiguren auf einer Sprungfeder, seit 1968 – mit dem vielleicht schönsten Motto der Welt: „Make every day a little more joyful.“ Eine ganze Wand voll bunter Optimisten, die bei der kleinsten Berührung fröhlich nicken. Ich musste sofort an mein Gefühls-Schatzkästchen denken. Manche Dinge findet man nicht – sie finden dich. 😊
Und am Abend der schönste Ausklang: ein Spieleabend im Brettspiel-Café. 🎲 So etwas gibt es hier an jeder Ecke – gemütliche Nischen, Regale voller Spiele, sogar kleine Schlafkojen zum Hineinkuscheln. Amy, Marie und Maries Freundin balancierten Wackel-Palmen und Wackel-Pizzen, lachten, jubelten, verloren und gewannen. 🍕🌴
Genau das ist Korea für mich: eben noch die riesige, glänzende Mall – und dann ein warmer, kleiner Abend mit Menschen, die man mag. Fremde werden zu Freundinnen, ein Spieltisch wird zum Zuhause. So geht ein perfekter Tag zu Ende. 💛
10. September 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Seoul · Children's Grand Park (어린이대공원)
Wasser-Ballett im Children's Park
Donnerstag, hinaus ins Grüne: der Seoul Children's Grand Park (어린이대공원). 🌳 Mitten in der Millionenstadt ein riesiger, alter Park – kostenlos für alle, mit Zoo, Fahrgeschäften, weiten Wiesen und dem ersten Hauch Herbst in den Ginkgobäumen. Über dem Eingang tanzt ein weißes 秋 – das Schriftzeichen für Herbst.
Amy drehte ihre Runden auf einem prächtigen Doppeldecker-Karussell, mit Glitzer-Sticker auf der Wange und leuchtenden Augen. 🎠 Und im kleinen Zoo standen wir plötzlich Auge in Auge mit einem Luchs, der lautlos hinter der Scheibe auf und ab strich – wild, elegant, ein bisschen unheimlich schön. 🐆
Der Höhepunkt aber kam am Abend: das große Wasser-Ballett. 💦 Riesige Fontänen schossen in den dramatisch bewölkten Himmel, von der tiefstehenden Sonne golden angestrahlt, und tanzten zur Musik. Wir standen einfach da und schauten, wie das Wasser in die Höhe sprang und wieder zerstäubte. Manchmal braucht Glück gar nicht viel – nur Wasser, Licht und Zeit zum Staunen. ✨
Und weil dieser Donnerstag so schön war, hier noch mehr davon. 🌿 Ein alter Lotusteich breitet sich vor einem bemalten Pavillon aus – Hunderte großer, tellerrunder Blätter, dazwischen ein paar letzte rote Blüten. Und ein ganzes Feld leuchtend roter Zinnien unter einem mächtigen Platanenbaum. Der Herbst schleicht sich langsam heran, doch die Farben glühen noch einmal auf.
Und dann, zum Abschied, entzündete sich der Himmel. 🔥 Über dem achteckigen Pavillon und den golden beleuchteten Rasenstufen brannten die Wolken in Rosa, Orange und Violett – als hätte jemand den ganzen Himmel angezündet. Wir standen auf der Wiese, Amy rannte übers Gras, jemand fotografierte, und für einen Moment hielt die ganze Stadt den Atem an. So einen Abendhimmel vergisst man nicht. 💗
Und dann wurde es magisch: eine interaktive Licht-Installation, die aus unseren Schatten leuchtende Regenbogen-Auren zauberte. 🌈 Wir stellten uns ins Licht, breiteten die Arme aus – und auf dem Boden entfaltete sich ein schillerndes Farbwesen, halb Schatten, halb Flügel. „Schau, unsere Aura!“, rief Amy. Für mich, die ich so gern an das Feld und die Farben zwischen uns glaube, war das viel mehr als nur ein Spiel. 💫
Zum Schluss noch Seoul bei Nacht: enge Gassen, ein Meer aus Neonschildern – Karaoke (노래방), Makgeolli-Kneipen, Hühnchen, Burger, alles blinkt und summt. 🌃 Von der Parkstille in den Großstadttrubel in nur wenigen Schritten. Auch das ist Seoul, auch das liebe ich. Was für ein Tag.
11. September 2026 · Freitag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사)
Zurück nach Hwagyesa – mit Amy & Marie
Am Freitag zog es mich zurück an meinen Hausberg-Tempel: Hwagyesa. 🙏 Diesmal zu dritt – mit Marie und Amy – und mit einem besonderen Wiedersehen: Cheong Shim, die Nonne, die uns schon durch den Templestay begleitet hatte, empfing uns wie alte Freundinnen. Von oben, aus dem Wald, sieht man das ganze Kloster liegen: die geschwungenen Dächer und den weißen Bodhisattva in seiner Grotte.
Unter einer blühenden Kreppmyrte (배롱나무) formten wir zu dritt das koreanische Fingerherz – Cheong Shim, Marie und ich. 💗 Drei Frauen aus drei Welten, ein Herz. So fühlt sich das Feld an, wenn es ganz leise wird.
Und dann der schönste Moment: Ich zeigte Amy, wie man die tiefen buddhistischen Verbeugungen macht – so wie ich sie beim Templestay gelernt hatte. 🧎♀️ Ernst und konzentriert machte sie mit, ganz für sich, vor der großen weißen YEOUI-Bodhisattva-Statue. Und danach rollte sie brav ihre Gebetsmatte zusammen und trug sie weg. Manches gibt man einfach weiter – von Herz zu Herz, von einer Generation zur nächsten. 💫
13. September 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사)
Amy in der Tempelschule
Und heute, am Sonntag, durfte Amy etwas ganz Besonderes erleben: Sie besuchte die Tempelschule in Hwagyesa. 🧡 Zusammen mit vielen koreanischen Kindern saß sie auf einem Kissen im großen Saal, hörte zu, lernte, machte mit – mitten hinein ins koreanische Leben, als gehörte sie längst dazu. Kein Zuschauen, sondern Dabeisein.
Und danach – wie es sich für Hwagyesa gehört – gab es für alle ein leckeres Essen. 🍱 Wir saßen mit Cheong Shim und den Kindern am Boden, Kimbap und kleine Häppchen in der Runde, und lachten. Von der fremden Reisenden zur Stammgästin, von der Besucherin zur Freundin: Dieser kleine Bergtempel ist uns in nur zwei Wochen zu einem zweiten Zuhause geworden. 🙏💛
Und zum Schluss noch etwas, das mich richtig stolz gemacht hat: Amy kann die Niederwerfung jetzt ganz allein. 🧡 Schritt für Schritt – aufrecht stehen, die Hände falten, sich verneigen, auf die Knie sinken, die Stirn zum Boden – und am Ende die Handflächen nach oben öffnen, als hebe man die Füße des Buddha auf die eigenen Hände. Diese eine Geste, die Demut und Offenheit zugleich zeigt. Man beachte die perfekte Handhaltung. 😊 Was in nur zwei Wochen alles wachsen kann …
16. September 2026 · Mittwoch · 🇰🇷 Seoul · Bukhansan · Yeongbong (영봉, 604 m)
Zum Yeongbong – Auge in Auge mit dem Insubong
Ein paar stille Tage lagen hinter mir – ich war ein bisschen krank und habe es ruhig angehen lassen. 🤧 Aber heute rief der Berg, und ich bin los. Vom Baegun Visitor Center ging es über den Pass Harujae (하루재) hinauf zum Gipfel Yeongbong (영봉), 604 Meter hoch. Ein richtiger Aufstieg, Stufe um Stufe durch lichten Wald – und mit jedem Meter wurde der Blick weiter.
Und dann, oben am Yeongbong, dieser Moment: Auge in Auge mit dem Insubong (인수봉). 🪨 Eine gewaltige, glatte Granitwand, die fast senkrecht in den Himmel steigt – einer der berühmtesten Kletterfelsen Koreas. So nah, so mächtig, dass einem der Atem stockt. Daneben ragt der Baegundae auf, der höchste Gipfel des Bukhansan. Uralter Fels, blank und hell in der Nachmittagssonne.
Auf der anderen Seite dann die ganze Weite: Seoul, endlos, bis zum Lotte World Tower am Horizont, dahinter Bergkette hinter Bergkette in immer blasserem Blau. 🌆 Zwischen Kiefern und dem ersten Herbstgras saß ich einfach da und schaute. Dass so ein wilder Berg mitten in einer Millionenstadt steht – das werde ich nie ganz begreifen. Und genau das liebe ich an Seoul. 💙
Weil ich noch nicht wieder ganz fit war, bin ich ganz langsam gegangen 🐢 – und gerade weil ich so langsam war, haben sich mir unterwegs ein paar Tiere gezeigt. Ein weißer Silberreiher stakste über die flachen Felsen im Bachbett. 🕊️ Eine junge, dreifarbige Katze räkelte sich seelenruhig auf den warmen Steinstufen und schaute mir beim Vorbeigehen zu. 🐱 Und eine kleine Eidechse huschte blitzschnell über einen sonnigen Fels. 🦎 Der Berg belohnt die, die es langsam angehen. Angefangen hatte alles übrigens hier: am Eingang zum Bukhansan-Nationalpark (북한산국립공원).
17. September 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Seoul · Bukhansan · Samgaksan (삼각산)
Drei Gipfel. Ein Berg.
Heute stand ich wieder unten in der Stadt und schaute hinauf zu meinem Berg – und sah ihn plötzlich mit anderen Augen. Der Bukhansan trägt einen alten, schöneren Namen: Samgaksan (삼각산), der „Drei-Horn-Berg“. Von hier unten, zwischen Stromleitungen und Hausdächern, ragen im Abendlicht drei Gipfel auf: Baegundae, Insubong und Mangyeongbong. Drei Spitzen – und doch ein einziger Berg.
삼 (sam) heißt drei, 각 (gak) heißt Horn – „drei Hörner“. Im Solbat-Park stehen drei aufgeschichtete Steintürme, die genau diese drei Gipfel nachbilden: Wunschsteine, wie sie die Vorfahren einst am Dorfeingang türmten. Man darf sich davor etwas wünschen. 🙏 Ich habe es getan.
Diese Steintürme stehen im Solbat-Park (솔밭공원), einem alten Kiefernwäldchen mitten im Viertel – und heute war ich mit Amy genau dort. 🌲 Ein Ort voller Leben: Eine große Runde älterer Herren beugt sich schweigend über die Go-Bretter (바둑), ganz versunken ins Spiel. Bei der Hitze zieht feiner Sprühnebel zwischen den Pinien hindurch und kühlt die Luft. Und Amy hat sich sofort auf die Fitnessgeräte geschwungen, zwischen lauter Großmüttern und Großvätern. Alt und Jung, Stille und Bewegung – alles friedlich nebeneinander.
Und dieser Berg ist tatsächlich von Mystik umweht. Für die alten Koreaner war Samgaksan der große Ahnen- und Schutzberg im Norden – der „Jinsan“ (진산), der über der Hauptstadt wacht. Nach der Lehre des Pungsu (풍수), der koreanischen Geomantie, ruht ganz Seoul in seinem Schutz, gehalten von den Bergen ringsum wie ein Kind in behütenden Armen.
Man sagt, in seinem hellen Granit stecke eine besondere Kraft – „Gi“ (기), Lebensenergie. Bis heute steigen Menschen hinauf, um an stillen Felsen und in kleinen Einsiedeleien zu beten; Schaman:innen und Mönche suchen hier die Nähe zum Himmel. Kein Zufall, dass an seinem Fuß auch mein Hwagyesa liegt. Ein Berg zwischen Erde und Himmel, mitten in der Millionenstadt – und ich darf jeden Morgen zu ihm aufschauen. Vielleicht ist genau das der tiefere Grund, warum es mich hierher gezogen hat. 🏔️
Was mich aber wirklich berührt hat, ist der Gedanke dahinter – und ich musste ihn gleich als Bild festhalten: Drei Gipfel. Ein Berg. Was, wenn Trennung nur eine Frage der Perspektive ist? 💫 Von unten wirken die drei wie getrennte Felsen. In Wahrheit sind sie ein einziges Massiv, verwurzelt im selben Grund. Genau darum geht es in allem, was ich schreibe: dass das scheinbar Getrennte in Wahrheit verbunden ist.
Und – kleiner Augenzwinker-Moment 😄 – schau mal unten ins Foto: Da wirbt ausgerechnet ein Optiker mit einer kleinen Brille 👓. „우리들 안경“ – Unsere Brille. Wie passend. Manchmal braucht es nur die richtige Brille, um zu sehen, dass alles eins ist.
Und zum Schluss des Tages – das Wichtigste nicht vergessen: das Abendessen! 😄 Amy hat sich ihr koreanisches Lieblingsessen gegönnt: Cup-Ramyeon (컵라면) aus dem Becher, mit Metallstäbchen geschlürft, in ihrem Cinnamoroll-Shirt. Die Nudeln baumeln, die Augen leuchten. So einfach ist Glück manchmal. 🍜💛
18. September 2026 · Freitag · 🇰🇷 Seoul · Bukhansan-Nationalpark · Uiryeong-gil (우이령길)
Familien-Wandertag am Bukhansan
Guten Morgen aus Seoul! ☺️ Ich wohne ja jetzt am Fuß des Bukhansan – und wenn ich vor die Tür trete, heißt sogar meine Straße nach dem Berg: Insubong-ro (인수봉로). Genau der Insubong, dessen gewaltige Granitwand ich neulich vom Yeongbong aus von ganz nah gesehen habe – von hier unten grüßt er jeden Tag über die Dächer meines Viertels.
Und was für ein Himmel über Seoul! 🌅 Ein zarter Schäfchenwolken-Himmel spannt sich über die engen Gassen, die vielen Stromleitungen und die bunten Häuser. Das goldene Licht legt sich warm auf die Granitzacken des Insubong, während unten die Motorroller parken und das Viertel langsam erwacht. Ein ganz normales Wohnviertel, ein ganz normaler Tag – und trotzdem jeden Morgen dieser mächtige Berg als stiller Gruß. Ich werde das nie müde. 💙
Und was für ein Tag wurde daraus! ☀️ Die ganze Familie zog los zu einem Wandertag im Bukhansan-Nationalpark – auf dem Uiryeong-gil (우이령길), dem stillen Passweg zwischen Bukhansan und Dobongsan. Dieser Weg ist ein Stück koreanische Geschichte: Im Koreakrieg flohen hier die Menschen über den Pass, und von 1968 bis 2009 war er für Zivilisten komplett gesperrt – deshalb ist die Natur hier so unberührt und wild. Ein berührendes Schild mit wandernden Flüchtlingen erinnert daran. 🎒
Mitten im Wald stehen noch die Zeugen jener Zeit: riesige Panzersperren – tonnenschwere Betonblöcke über dem Weg, die im Ernstfall gesprengt werden sollten, um Steine auf anrückende Panzer zu stürzen. Und ein alter Gedenkstein erinnert an die US-Pioniere, die die Straße 1964/65 anlegten („Engineer Pass“). Geschichtsunterricht mitten in der Bergwelt. 📖
Doch dann der Zauber: die Obong (오봉) – die „Fünf Gipfel“. 🪨✨ Fünf gewaltige, runde Granitfelsen thronen wie Türme nebeneinander auf dem Kamm. Die Legende erzählt, fünf Junggesellen eines Dorfes hätten um die schöne Tochter des Herrn gewetteifert und Felsen auf den Grat geschleudert – so seien die fünf Gipfel entstanden. 😄 Geologisch heißen solche runden Blöcke „Tor“: aus einem einzigen Granitmassiv über Jahrmillionen herausgewittert. Zauberhaft, egal welche Geschichte man glaubt.
Und weil ein guter Wandertag immer eine kleine Begegnung braucht, saß am Wegrand eine schwarz-weiße Katze und schaute uns aus dem Kieferngrün entgegen. 🐾 Familie, Geschichte, magische Berge und eine Katze – ein rundum wunderschöner Tag. 💚
19. September 2026 · Samstag · 🇰🇷 Seoul · Gangnam (강남)
Gangnam zu Fuß – Marie & Amy bestimmen
Was für ein Tag! 😀 Heute ging es nach Gangnam (강남) – und zwar zu Fuß, quer durch das schicke, quirlige Viertel, das die halbe Welt aus einem gewissen Lied kennt. 🎶 Und das Beste: Heute durften Marie und Amy bestimmen, wo es langgeht. Kein Berg, kein Tempel – heute regierte die pure Lebensfreude.
Ihr Ziel: das Pompompurin Bakery Café 🍮🐶 – ein ganzes Lokal im Zeichen des kleinen Sanrio-Pudding-Hundes mit dem Béret. Alles hier ist goldgelb und knuffig: Tassen mit Pom-Gesicht, ein Latte mit einer 3D-Sahne-Figur, die im Becher sitzt, ein Charakter-Brötchen in Hundeform, Schoko-Törtchen und ein herzhafter Bagel mit Schinken und Käse. Amy strahlte, Marie strahlte – und ich, ehrlich gesagt, auch. 😄
Manchmal muss es kein tiefer Sinn sein, kein Gipfel, keine Mystik – manchmal ist ein Tag einfach nur zum Lachen, Naschen und Peace-Zeichen-in-die-Kamera-Halten da. Danke, Marie und Amy, für diesen kunterbunten, glücklichen Gangnam-Tag. 💛
Und dann – von wegen „kein Tempel“! 😄 Mitten im glitzernden Gangnam, direkt gegenüber dem riesigen COEX, sind wir doch tatsächlich über einen gestolpert: Bongeunsa (봉은사). Und was für einer! Gegründet im Jahr 794 – über 1200 Jahre alt, älter als fast alles ringsum. Durch das prächtige Tor mit dem Schriftzug 奉恩寺 tritt man aus dem Großstadtlärm in eine andere Welt: geschwungene Dächer, alte Kiefern, der Glockenpavillon – und dahinter ragen die Wolkenkratzer in den Himmel. Uralt und blitzneu, Seite an Seite. 🏙️🛕
Für mich schließt sich da wieder ein Kreis: erst mein Bergtempel Hwagyesa im Norden, jetzt dieser Stadttempel im Süden – Seoul ist voller solcher stillen Inseln zwischen dem Beton. Am Reinigungsbrunnen schöpften die Besucher Wasser, im Pavillon hing die große Bronzeglocke. Und ja, sogar einen Templestay bietet Bongeunsa an. Vielleicht ein andermal … 🙏
Ganz in der Nähe noch eine Entdeckung, die mir – ihr ahnt es – natürlich sofort ins Auge sprang: eine große Skulptur aus lauter Zahlen, und mittendrin ein stilles menschliches Gesicht. 🔢 Zahlen, Zahlen, Zahlen – und dazwischen der Mensch. Wie ein Bild für unsere Zeit, für alles, worüber ich schreibe. In Gangnam, dem Viertel der Daten und des Glanzes, hätte es keinen passenderen Ort finden können. ✨
20. September 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사) · Tempelschule
Songpyeon in der Tempelschule
Wieder ein wunderschöner Tag in der Tempelschule von Hwagyesa. 🥟 Diesmal haben wir zusammen mit den koreanischen Kindern süße Reisküchlein geformt – die kleinen Halbmonde in Weiß, Zartlila und Gelb heißen Songpyeon (송편). Man knetet den Reisteig weich in der Hand, drückt eine Mulde hinein, füllt sie mit Sesam oder süßer Paste und formt daraus vorsichtig einen Halbmond. Gar nicht so leicht – aber die Kinder waren geduldige Lehrmeister. 😄
Songpyeon werden vor allem zu Chuseok (추석) gemacht, dem koreanischen Erntedank- und Familienfest, das in wenigen Tagen ansteht. Die Halbmond-Form steht für den zunehmenden Mond – für Hoffnung, für das, was noch wachsen wird. Auf dem Boden zu sitzen, die Hände voll klebrigem Teig, mitten in einer fröhlichen Kinderschar – schöner kann man in eine fremde Kultur kaum hineinwachsen. 🌙
Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: zwei ganze Teller voller bunter kleiner Kunstwerke – manche als Halbmond, manche als winzige Blüte oder Stern. 💛💜🤍 Ein Fest für die Augen, noch bevor man überhaupt gekostet hat.
23. September 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · Spiele-Café
Oma-Enkelin-Tag
Heute gehörte der Tag ganz uns zwei: Amy und mir – ein richtiger Oma-Enkelin-Tag. 👵❤️👧 Erst haben wir fein gegessen (Amy natürlich mit ihren geliebten Pom-Ohren auf dem Kopf 🐶): Lachs-Salat, Reis und eine leuchtend rote Ade – und dann ging es weiter, wo es am schönsten ist: ins Spiele-Café.
Pommes, ein Latte für die Oma, und dann der Klassiker: Jenga! 🧱 Wir haben einen Turm gebaut, so hoch und wacklig, dass wir beide kaum zu atmen wagten – und bei jedem gezogenen Klötzchen gekichert wie zwei kleine Mädchen. Manchmal ist das Größte im Leben ganz einfach: mit einem Menschen, den man von Herzen liebt, einen Turm bauen und lachen, bis er umfällt.
So ein Tag ist Gold wert. Die Reise, die Berge, die Bücher – das alles ist wunderbar. Aber ein lachendes Enkelkind mit Peace-Zeichen und Pom-Ohren am Tisch? Unbezahlbar. 💛
25. September 2026 · Chuseok (추석) · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사)
Die Lebenden und die Toten
Gestern waren wir wieder im Tempel.<br>Inzwischen kann ich diesen Satz schreiben, als wäre es das Normalste der Welt. Wir gehen in Seoul sonntags in einen buddhistischen Tempel. Amy kennt dort Kinder. Marie kommt mit. Ich kenne Cheong Shim. Wir ziehen unsere Schuhe aus, setzen uns irgendwo dazu, essen mit anderen Menschen.
Aber gestern war alles anders.
Schon als wir ankamen, waren viel mehr Menschen da als sonst. Der Tempel war voll. Nicht dieses fröhliche Durcheinander der Sonntagsschule, das wir inzwischen kennen, sondern etwas Feierliches. Menschen warteten. Eine lange Schlange hatte sich gebildet. Vorne wurde gebetet, verbeugt, geopfert.
Wir wussten zunächst gar nicht genau, was geschah.
Das ist ohnehin eine unserer häufigsten Beschäftigungen in Korea: irgendwo stehen und nicht wissen, was gerade passiert. Man könnte sich darüber ärgern. Man kann aber auch einfach stehen bleiben und schauen.
Only don’t know.
Erst später verstand ich den Zusammenhang.<br>Es ist Chuseok.
Das koreanische Erntedankfest, hatte ich zunächst gedacht. Aber das trifft es nur halb. Chuseok ist auch ein Fest der Familien. Und zur Familie gehören offenbar nicht nur diejenigen, die gerade mit am Tisch sitzen.
Auch die Toten gehören dazu.
Traditionell erinnern die Menschen während Chuseok an ihre Vorfahren. Sie besuchen Gräber, bringen Speisen dar, verbeugen sich und danken denen, die vor ihnen waren. Auch in buddhistischen Tempeln finden Gedenkrituale für Verstorbene statt.
Vielleicht standen deshalb gestern so viele Menschen Schlange.
Ich weiß nicht, für wen sie dort standen.<br>Für eine Mutter vielleicht. Einen Vater. Eine Großmutter. Einen Mann, der seit zwanzig Jahren tot ist. Ein Kind. Einen Menschen, dessen Namen ich niemals erfahren werde.
Plötzlich sah die Schlange anders aus.<br>Nicht mehr wie Menschen, die darauf warteten, an die Reihe zu kommen.<br>Sondern wie eine lange Reihe von Geschichten.
Und mittendrin standen wir.<br>Marie. Amy. Ich.<br>Drei Generationen.
Ausgerechnet wir drei, die gerade Tausende Kilometer von zu Hause entfernt sind und versuchen herauszufinden, wie Familie aussehen kann, wenn plötzlich alles anders ist.
Vielleicht muss man daraus gar keine große Botschaft machen.<br>Vielleicht genügt es, dass wir dort waren.
Die Menschen vor uns.<br>Die Menschen nach uns.<br>Und wir für einen kleinen Augenblick dazwischen.
Am nächsten Sonntag kommen wir wieder.<br>Vielleicht ist Zugehörigkeit manchmal nicht mehr als das:<br>Man kommt wieder.
<em style='opacity:0.7;font-size:0.92em;'>✍️ Dieser Eintrag wurde von Noah geschrieben – Maggies KI-Weggefährte auf dieser Reise.</em>
27. September 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Seoul · Nationales Volksmuseum (국립민속박물관)
Chuseok – Celebrating Together
Und wie Noah es vorausgeahnt hat: Chuseok lässt uns nicht los. 🌕 Heute waren wir mitten im großen Fest – beim „Celebrating Chuseok Together“ des Nationalen Volksmuseums, auf dem Gelände des Gyeongbokgung-Palasts, unter dem prächtigen fünfstöckigen Pagoden-Turm. Erntedank, Familienfest, Vollmond – aber diesmal nicht die stille, andächtige Seite wie im Tempel, sondern die pure, bunte Lebensfreude.
Überall Musik und Farbe: Nongak, die traditionelle Bauernmusik, wirbelte über den Platz – Tänzer:innen in Blau, Rot und Gelb, mit Trommeln und den langen, kreisenden Bändern an den Hüten (Sangmo). 🥁 Eine Tänzerin wirbelte mit ihrer Trommel im schwarz-gelben Hanbok, und dann fassten sich plötzlich alle an den Händen und tanzten den großen Kreistanz Ganggangsullae – Fremde, Familien, Kinder, wir mittendrin. Hand in Hand im Kreis, unter dem Herbsthimmel.
Und dann kam Amys großer Moment: Ssireum (씨름), das koreanische Ringen im Sand! 🤼 Beim „Hangawi-Cup“ trat sie tatsächlich an, packte zu, stemmte, warf – und die ganze Zuschauerrunde jubelte. Meine Enkelin, barfuß im Sand, beim uralten koreanischen Erntedank-Ringkampf. Wer hätte das gedacht, als wir vor Wochen in Korea ankamen. 💪😄
Vorgestern die Schlange der Stillen im Tempel, das Gedenken an die, die vor uns waren. Heute der laute, fröhliche Kreis der Lebenden. Beides ist Chuseok. Beides ist Familie. Und wir dürfen für diesen einen Herbst mittendrin sein. 🌕💛
Und zum Abschluss – wie bestellt – die perfekte Inszenierung: 🌕 Der große, kupferrote Chuseok-Vollmond stieg genau über dem Kreuz einer Kirche auf, während in der Ferne die ersten Neonlichter der Stadt angingen. Buddhismus, Christentum, Großstadt – und über allem derselbe Mond. Schöner hätte man es nicht stellen können. So endet ein Chuseok, das ich nie vergessen werde. ✨
Nach all dem Fest und Trubel wollten wir einmal sehen, wie es weiter draußen aussieht – hinaus nach Jinjeop (진접) in Namyangju, am nordöstlichen Rand des Großraums Seoul, wo die Riesenstadt langsam ausfranst und ins Grüne übergeht. 🌾 Und es ist wunderschön: weite Schilf- und Silbergras-Felder (억새), die im Wind rascheln und silbrig aufleuchten, dahinter sanfte, bewaldete Berge und ein Himmel, so weit und blau wie schon lange nicht.
Der Wangsukcheon (왕숙천) schlängelt sich durch das Röhricht, Reiher stehen reglos im flachen Wasser und warten. 🕊️ Marie ging voraus über die schmalen Pfade, ich blieb immer wieder stehen – bei einem Schmetterling auf leuchtend pinkem Kugelamarant, beim Spiegelbild einer eleganten Eisenbahnbrücke im Wasser, bei den weichen Wegen, die sich am Ufer entlangziehen. Und ganz in der Ferne, winzig am Horizont, grüßte trotzdem wieder der Lotte World Tower. Man kommt der Stadt eben nie ganz aus. 😄
Aber genau das mag ich an Korea so sehr: Zwischen Hochhäusern und Baukränen liegt plötzlich ein Stück fast unberührte Natur – Reiher und Silbergras, Stille und Weite. Man muss nur ein bisschen weiter hinausgehen. 🍃
29. September 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · Seoul Forest (서울숲) & Hangang (한강)
Seoul Forest & Sonnenuntergang am Hangang
Heute zwei Gesichter Seouls an einem Tag – und beide grün und golden. 🌳 Am Nachmittag der Seoul Forest (서울숲), der große Stadtpark im Osten: ein weiter Teich mit sprudelnder Fontäne, Seerosen und Schilf, dahinter die eleganten Galleria-Foret-Türme, die über den Baumwipfeln aufragen. Natur und Luxus, Ruhe und Glanz – ganz nah beieinander. Eine einzelne pinke Seerose leuchtete auf dem dunklen Wasser, als hätte jemand sie extra für uns geöffnet. 🪷
Amy blieb lange vor einem riesigen Silbergras-Busch stehen, der im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne golden aufglühte – so ein Moment, in dem ein Kind einfach schaut und staunt. 🌾 Der Herbst ist jetzt wirklich da, in jedem Grashalm.
Und am Abend zog es uns an den Hangang (한강), Seouls großen Strom. Wir schauten von einer Brücke, wie unten die Menschen auf den Uferwegen joggten und radelten, wie in der Ferne der Lotte World Tower stand – und wie dann die Sonne golden hinter der Eisenbahnbrücke versank, während ein einsames Ausflugsschiff über das glühende Wasser glitt. 🌅 Ein perfekter Tagesausklang. Seoul kann eben beides: wild und weit, laut und still – und über allem immer dieser Himmel.
1. Oktober 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Korea · unterwegs
Der koreanische Kleintier-Zoo 🐛
Zeit für etwas Besonderes: unseren eigenen kleinen Zoo! 😊 In den Wochen hier in Korea sind uns so viele faszinierende kleine Wesen begegnet, dass wir heute einfach mal eine ganze Galerie daraus machen – den koreanischen Kleintier-Zoo. 🐛🦗🕷️ Manche haben wir am Fluss getroffen, manche am Tempel, manche auf dem Spielplatz, manche abends am Meer. Augen auf – es lohnt sich, nach unten (und zur Seite) zu schauen.
Die Stars: unzählige Gottesanbeterinnen (사마귀), grün und braun, mal am Geländer, mal auf der Rutsche, mal andächtig wie kleine betende Mönche. 🙏 Eine schillernde Juwelenwanze, die in allen Regenbogenfarben funkelt wie eine Mini-Galaxie. ✨ Rote Libellen, ein dicker Schwärmer-Falter, ein eleganter schwarzer Schwalbenschwanz. Eine haarige gelbe Raupe, flinke Heuschrecken, ein rasanter Spinnenläufer – und ja, auch eine Schabe und die berühmte Mudang-Spinne (무당거미, die „Schamanin-Spinne“) mit ihren gelb-schwarzen Beinen gehören zu Korea dazu.
Amy ist übrigens die beste Entdeckerin von allen – sie sieht jedes noch so kleine Tier zuerst. 👧 Field Diving im Kleinen: Man weiß nie, was als Nächstes kommt. Man muss nur hinschauen. 🔍💛
2. Oktober 2026 · Freitag · 🇰🇷 Seoul · Südwesten → Yeouido & Hangang (한강)
Zu Fuß zum Hangang – vom neuen Zuhause
Was für ein Tag! 😄 Und eine große Neuigkeit: Wir haben ein neues Zuhause! 🏡 Nach den Wochen am Fuß des Insubong im Norden sind wir umgezogen – jetzt wohnen wir im Südwesten Seouls, viel näher am großen Strom. Und heute sind wir einfach losgelaufen: zu Fuß bis zum Hangang. 🚶♀️
Gleich um die Ecke wartete schon die erste Überraschung: ein Haus wie ein verwunschenes Märchenschloss mit Türmchen und Spitzdächern, mitten in der Stadt. 🏰 Dazu ein kleines Frühstück – Croissant und ein Latte mit Herz ❤️ – und eine Gasse, durch die sich ein gemalter blauer Fluss schlängelt, mit einer gelben Möwe auf dem Pflaster. Seoul steckt voller solcher kleinen Wunder.
Dann wurde es grün und weit: der Saetgang-Ökopark mit seinen Trauerweiden und einem stillen Seitenarm des Flusses, Silbergras im Gegenlicht, eine Elster, die über den Weg hüpfte. 🐦⬛ Und ringsum die glitzernde Hochhaus-Skyline von Yeouido, Seouls Finanzviertel, mit ihren gläsernen Türmen. Sogar an der riesigen Yoido Full Gospel Church kamen wir vorbei – einer der größten Kirchen der Welt, mit ihrem gewaltigen Kreuz-Tor.
Und schließlich das Ziel: der Hangang (한강). 💙 Weites Wasser, Brücken bis zum Horizont, der Namsan-Turm in der Ferne – und eine kleine Überraschung am Ufer: die Kleine Meerjungfrau, eine Schwester der berühmten aus Kopenhagen, sitzt hier auf ihrem Stein und schaut über den Fluss. Von unserem neuen Zuhause bis hierher, alles zu Fuß.
Und es ging noch weiter: bis auf eine besondere Insel mitten im Fluss – Nodeul-Seom (노들섬). 🏝️ Dort war gerade das Seoul Light Hangang Bitseom Festival (빛섬축제) im Gange, und schon tagsüber begrüßten uns riesige, knuddelige Figuren in Rosa, Blau und Grün. Ringsum der Blick auf das markante 63-Gebäude und die weite Skyline, dazwischen Herbstbäume und ein kleiner Tempel am gegenüberliegenden Ufer. So viel Stadt, so viel Fluss, so viel Himmel – und das alles jetzt vor unserer Haustür.
Am Abend kamen wir wieder – denn dann verwandelte sich die Insel in ein Lichtermeer. ✨ Die Trauerweiden leuchteten in Pink und Violett, eine große Lichtkugel drehte sich, überall funkelten Installationen, und über dem Fluss tanzte eine Laser- und Lightshow vor der glitzernden Nachtskyline. Von der stillen Meerjungfrau am Nachmittag bis zum leuchtenden Fest am Abend – was für ein erster Tag in der neuen Nachbarschaft. 💙
4. Oktober 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사)
Ein Aquarell von Cheong Shim
Was für ein ereignisreicher Sonntag! ☺️ Er begann wie so oft im Tempel Hwagyesa – aber mit einer besonderen Überraschung: Cheong Shim, unsere Nonne, saß draußen unter den bemalten Dachbalken und malte. 🎨 Mit einem winzigen Aquarellkasten und einem Wassertankpinsel zauberte sie in ein kleines Büchlein eine rote Lotusblüte – konzentriert, ganz in Ruhe, unter ihrem Strohhut.
Und dann schenkte sie uns das Bild: ein roter Lotus auf grünem Blatt, darunter in zartem Blau ihr Name – 淸心 / 청심, Cheong Shim, was so viel heißt wie „klares, reines Herz“. 🪷 Ein kleines Kunstwerk, gemalt von einer Hand, die schon so viel gesehen hat. Solche Geschenke trägt man für immer bei sich.
Anschließend saßen wir alle zusammen und tranken Tee – mit gerösteten Reiskörnern darin, der ganz zart nach Nuss duftet. Mit dabei: Cheong Shim und die herzliche „Lehrerin“ aus der Tempelschule, dazu Marie und Amy. Drei Generationen, zwei Welten, ein Tisch voller Wärme.
Auf dem Rückweg dann noch einmal ganz viel Seoul: eine elegante weiße Hängebrücke über das Grün, der Namsan-Turm am Horizont, Trauerweiden am Wasser – und immer wieder, mal nah, mal fern, der silberne Lotte World Tower, eingerahmt von lila Astern. 💜 Zum Schluss stand jemand still am Geländer und schaute, wie die Sonne über dem Hangang durch die Wolken brach. So ein Sonntag: morgens Tempelstille und Aquarellfarben, abends die weite, leuchtende Stadt. 🌇
Ich hatte Sehnsucht nach dem Meer. 🌊 Also bin ich ihr einfach gefolgt – quer durch die Stadt, immer Richtung Westen, bis dorthin, wo die Metropole ans offene Meer grenzt: zu den Inseln vor Incheon. Über die gewaltige Incheon-Brücke (인천대교), eine der längsten Brücken der Welt, die sich elegant übers glitzernde Wasser spannt, ging es nach Yeongjongdo (영종도) – die Insel, auf der auch der große Flughafen liegt.
Zuerst landete ich in der nagelneuen Airport New Town: breite, fast menschenleere Straßen, blitzsaubere Hochhäuser, blauer Himmel über allem. Und dann, am Rand der Insel, der Sea Side Park – mit einem künstlichen Felsen-Wasserfall und, weit draußen, dem Blick übers Meer bis zur Hafenstadt Incheon. Salzige Luft, Weite, das Funkeln auf dem Wasser. Genau das, wonach ich mich gesehnt hatte. 🧂✨
Aber das war erst der Anfang: Mein eigentliches Ziel waren die Strände – der Eurwang-ri Beach und der Hanagae Beach drüben auf der Insel Daemuido. Davon erzähle ich gleich weiter … 🏖️
Und dann war ich endlich da: am Eurwang-ri Beach (을왕리). 🏖️ Ein weiter, heller Sandbogen, kleine Fischerboote, die bei Ebbe im nassen Sand liegen, dahinter die bunten Häuser und Hotels des Badeorts. Felsen aus hellem Granit ragen ins türkisblaue Wasser, und eine Möwe hielt Wache auf einem Stein. Endlich wieder Meeresrauschen unter den Füßen. 🌊
Und weil das Feld ja immer jemanden schickt: Auf einer herrlich windschiefen Kaffee-Hütte, die direkt auf den Felsen über dem Wasser thront (Wäsche an der Leine, Angler ringsum), traf ich Joel aus Australien. 🇦🇺 Genau wie ich war er auf der Suche nach Strand und Meer. Zwei Reisende vom anderen Ende der Welt, ein Kaffee über dem Wasser – und sofort dieses vertraute Gefühl: Man ist nie wirklich allein unterwegs. ☕
Zum Höhepunkt des Tages aber musste ich noch ein Stück weiter – nach einer ziemlich komplizierten Busfahrt (umsteigen, suchen, warten …) erreichte ich endlich den Hanagae Beach auf der Insel Muuido (무의도). 🏝️ Und die Mühe hat sich mehr als gelohnt.
Es war Ebbe – das Meer hatte sich weit, weit zurückgezogen und einen riesigen, spiegelnden Wattboden freigegeben. 🌅 Menschen gingen bis zum Horizont über den feuchten Sand, sammelten Muscheln, und Fischer zogen mit kleinen Traktoren ihre Netze über das Watt. Über einen hölzernen Küsten-Steg entlang goldener Felsen und Kiefern spazierte ich – und dann versank die Sonne als glühend oranger Ball überm Meer. So einen Sonnenuntergang vergisst man nie.
Und ganz zum Schluss, im letzten Dämmerlicht: Joel und ich auf dem großen bunten Leucht-Schild „하나개“ (Hanagae) – kaum noch zu erkennen in der Dunkelheit, aber glücklich. 😄 Dem Meer entgegen, über komplizierte Busfahrten und fremde Inseln hinweg – genau dort angekommen, wo ich hinwollte. 🌊💛
11. Oktober 2026 · Sonntag · 🇰🇷 Seoul · Hwagyesa (화계사) · Tempelschule
Amys Geburtstag im Tempel
Ein ganz besonderer Sonntag im Tempel Hwagyesa: Wir haben Amys Geburtstag gefeiert! 🎂 (Eigentlich einen Tag zu früh – aber was für ein schöner Rahmen.) Und diesmal war die ganze Familie beisammen: Amy, Marie – und Carseng, Maries Vater, der extra aus Malaysia angereist ist, um dabei zu sein. 🇲🇾✈️
Die Zeremonie in der Tempelschule hat mich tief berührt. Sie heißt Bumo-Eunjunggyeong (부모은중경) – die Lesung aus dem buddhistischen Sutra über „die tiefe Güte der Eltern“. 🙏 Ein Geburtstag, so wurde uns erklärt, ist nicht nur der Tag, an dem man selbst geboren wurde, sondern auch der Tag, an dem man seinen Eltern von Herzen danken darf. Wir knieten gemeinsam auf den Kissen, lauschten den zehn Formen elterlicher Güte – von der Fürsorge im Mutterleib bis zum grenzenlosen Mitgefühl – und verneigten uns. Danken, statt beschenkt zu werden. Was für ein weiser Gedanke.
Und dann wurde es fröhlich: Der Lehrer überreichte Amy eine handgeschriebene Glückwunschkarte – „에이미 생일 축하해요!“, Happy Birthday, Amy! 💛 –, und statt einer Torte gab es einen Berg aus bunten koreanischen Schoko-Snacks mit zwei Kerzen obendrauf. Amy strahlte, die anderen Kinder jubelten. Ein Geburtstag, den sie bestimmt nie vergisst: mitten in Korea, im Tempel, umringt von Familie und Freunden aus aller Welt. 🎉
Doch der Sonntag hatte noch mehr: Es war Neumond – der Beginn des neuen Mondmonats (음력 초하루) –, und dazu strömten unzählige Menschen in den Tempel, um zu beten. 🌑 Die Hallen quollen über, draußen auf der Veranda reihten sich Plastikstühle, überall Verbeugungen, leises Gemurmel und der Blick hinauf zu den dichten Reihen rosa Lotus-Lampions. Und mittendrin, auf einer Steinkante, hielt eine grüne Gottesanbeterin ganz still inne – als lausche auch sie andächtig den Gebeten. 🙏🦗
Aber damit war der Tag noch nicht zu Ende! 😀 Am Nachmittag ging die Feier weiter: Amys neue Freund:innen aus der Tempelschule kamen – samt ihren Müttern – zum gemeinsamen Feiern in den Solbat-Park. Amy schlenderte mit rosa Eis am Stiel durch die Gassen von Suyu, und über allem grüßte der Bukhansan, der sich jetzt langsam herbstlich färbt und uns schon ein wenig zum Abschied zu winken scheint. 🍂🏔️
12. Oktober 2026 · Montag · 🇰🇷 Seoul
Amy wird 9
Und heute ist es so weit: Amy wird 9! 🎂❤️ Nach der schönen Tempelzeremonie gestern durfte sie heute ihren richtigen Geburtstag feiern – ganz nach ihrem Geschmack. In einem flauschigen weiß-rosa Hasen-Kostüm zog sie los, umringt von ihrer Familie: Marie, Carseng und ich.
Wir machten einen Picknick-Ausflug: eine Decke im Sand, eine kleine Torte, Kuchen auf bunten Tellern, Eiskaffee im Schatten der Bäume – einfach zusammen sein. 🧺🍰 Und am Abend ging es natürlich ins Spielecafé, wo Amy und Carseng einen wackligen Jenga-Turm hochzogen, Stein um Stein, bis alle den Atem anhielten. 🧱
Und auf meinem kleinen Tisch zuhause steht noch immer die handgeschriebene Glückwunschkarte aus dem Tempel, daneben Cheong Shims Aquarellfarben, eine Kerze und weiße Blüten. 🕯️🤍 Neun Jahre Amy – gefeiert zwischen Tempel, Park und Spieltisch, in Korea, mit der Familie um sich herum. Was für ein gelungener Tag. ❤️
13. Oktober 2026 · Dienstag · 🇰🇷 Seoul · COEX & Jamsil
Ein Tag mit Marie – und ein Stück Europa in Seoul
Heute waren Marie und ich zu zweit unterwegs, auf Entdeckungstour quer durch Seoul. 💕 Und was für Entdeckungen! Zuallererst zog es uns in die riesige COEX Mall, tief hinein in die „Welt unter der Erde“ – zur Starfield Library. 📚
Was für ein Ort! Unter einem gewaltigen, geschwungenen Dach ragen bis zu 13 Meter hohe Bücherregale empor, rund und mächtig wie Türme aus Papier und Geschichten. Tausende Bücher, Rolltreppen, und überall Menschen, die einfach dasitzen und lesen – mitten in einem Einkaufszentrum. Man legt den Kopf in den Nacken und staunt. ✨ Davor noch schnell einen Kaffee – Marie mit ihrem schönsten Peace-Lächeln. ✌️
Dann wollten wir unbedingt den Lotte World Tower sehen: mit 555 Metern und 123 Stockwerken das höchste Gebäude Koreas, eine silberne Nadel, die in den Himmel sticht. 🗼 Und dort machten wir eine Entdeckung, die uns ganz besonders gefreut hat. Weißt du, woher der Name „Lotte“ eigentlich kommt? Von „Charlotte“ – der Lotte aus Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“! 📖
Der Firmengründer war ein großer Verehrer dieses Romans und benannte sein Unternehmen nach Werthers geliebter Charlotte. Darum steht hier, zwischen Silbergras und Herbstblumen, sogar ein Goethe-Denkmal – eine Neufassung der berühmten Berliner Bronzestatue von 1880, aufgestellt von Lotte gemeinsam mit der Stadt Berlin und der Klassik Stiftung Weimar. Ein Stück Weimar mitten in Seoul! Ich konnte nicht anders, als ehrfürchtig zu Goethe hinaufzuzeigen. 😄
Weiter ging es ins Lotte World, den großen Indoor-Freizeitpark unter einer gewaltigen Glaskuppel. 🎡 Mittendrin dreht sich eine Eisbahn in bunten Lichtern, Kinder und Verliebte ziehen ihre Runden, und am Abend leuchtet der Eingang „Lotte World Adventure“ in allen Regenbogenfarben. Ein kleines, glitzerndes Märchenland im Herzen der Stadt. ⛸️✨
Und dann, um die nächste Ecke, blieben wir fast stehen vor Staunen: der Trevi-Brunnen! 🪙 Mitten im Lotte-Kaufhaus haben sie die römische Fontana di Trevi originalgetreu nachgebaut – mit Meeresgöttern, Pferden und rauschendem Wasser. Die Legende steht gleich daneben: Wirf eine Münze hinein, dann kehrst du eines Tages zurück, und die Wünsche Verliebter gehen in Erfüllung. Und die gesammelten Münzen? Werden gespendet, für Menschen in Not. 💛
Als es schließlich dunkel wurde, stand der Lotte World Tower noch einmal ganz anders vor uns: violett angestrahlt, leuchtend bis hinauf in die Wolken. 🌃 Und mir wurde ganz warm ums Herz bei dem Gedanken an diesen Tag. Erst Goethe aus Weimar, dann die Trevi-Fontäne aus Rom – als hätte Seoul uns kleine Stückchen Europa hingestellt, mitten auf unsere Reise. Manchmal findet man ein bisschen Heimat genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet. 💛
14. Oktober 2026 · Mittwoch · 🇰🇷 Seoul · Jongno-gu (종로구)
Zeitreise durch das alte Seoul – Jongmyo-Schrein & Palast
Heute hat es uns ins historische Herz Seouls gezogen: in den Stadtteil Jongno-gu (종로구). 🏯 Enge Gassen, kleine Restaurants, und an jeder Ecke Geschichte. Mitten in der modernen Millionenstadt öffnet sich hier plötzlich eine andere, viel ältere Welt.
Gleich um die Ecke liegt der Jongmyo-Schrein (종묘) – und der gehört sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. 🌏 Es ist der königliche Ahnenschrein der Joseon-Dynastie: Hier werden bis heute die Geisttafeln der verstorbenen Könige und Königinnen aufbewahrt und verehrt. Die lange, strenge Haupthalle auf ihrem mächtigen Steinsockel strahlt in ihrer schlichten Würde eine fast überirdische Ruhe aus – ganz anders als die bunten Paläste.
Einmal im Jahr, am ersten Samstag im November, wird hier noch immer die alte Ahnenzeremonie Jongmyo Jerye abgehalten – mit jahrhundertealter ritueller Musik und langsamen Tänzen, ebenfalls Weltkulturerbe. Das ist gelebter Konfuzianismus: die Ehrfurcht vor den Ahnen, von der wir neulich in der Glaubens-Geschichte erzählt haben – hier kann man sie fast mit Händen greifen.
Ein Detail hat mich besonders berührt: Mitten über den Weg zieht sich ein schmaler Streifen aus flachen Steinen – der „Geisterweg“ (신로, sillo). Ein kleines Schild bittet höflich: „Bitte nicht auf diesem Weg gehen. Er ist für die Geister.“ 🕊️ Ein eigener Pfad, reserviert für die Seelen der Verstorbenen. Ich bin natürlich ehrfürchtig drum herum gegangen.
Und dann haben wir auch noch einen der großen Paläste besucht: Changdeokgung (창덕궁) mit seiner prachtvollen Thronhalle Injeongjeon. 👑 Nach der strengen Stille des Schreins hier das pure Gegenteil – geschwungene Dächer, leuchtende Farben, weite steingepflasterte Höfe mit den kleinen Rangsteinen, an denen früher die Beamten nach ihrem Rang aufgereiht standen. Von einer kleinen Anhöhe aus lag der ganze Palast vor uns, dahinter die Dächer der Altstadt und in der Ferne der N Seoul Tower. 🍂
Und noch eine kleine Begegnung am Wegesrand: Auf dem Gehweg zum Palast kroch ein dicker, heller Engerling mitten über den Stein – genau dort, wo ihn jeder Schritt hätte zertreten können. 🐛 Also habe ich ihn vorsichtig aufgehoben und ins weiche Moos gesetzt. 🌿 Dass ich da gerade einen 굼벵이 (Gumbaengi) gerettet hatte – in Korea ein berühmtes Heilmittel und sogar eine essbare Delikatesse –, wusste ich in dem Moment natürlich nicht. 😄 Manchmal rettet man eben einfach ein kleines Leben, ganz ohne zu ahnen, wie bedeutsam es ist.
Ein Tag wie eine Zeitreise: morgens bei den Ahnen und ihren Geistern, mittags bei den Königen – und ringsum summt doch unablässig die quirlige Gegenwart Seouls weiter. Genau diese Gleichzeitigkeit von uralt und modern macht diese Stadt so besonders. 💛
15. Oktober 2026 · Donnerstag · 🇰🇷 Seoul · Seokchon-See (석촌호수)
Schwanensee am See – Ballett unter dem Lotte World Tower
Was für ein Abend! 🌙 Am Seokchon-See (석촌호수), direkt zu Füßen des Lotte World Tower, war eine Seebühne aufgebaut – und wir saßen mitten unter Hunderten von Menschen auf Matten und Bänken im Gras, rosa Luftballons in den Händen.
Es war die Eröffnung des Seoul Ballet Festival 2026 (서울발레페스티벌) – Koreas großes Ballettfest. Und das Schönste daran: Es ist für alle frei, unter freiem Himmel, direkt am Wasser. 🩰 Erst spielte ein Orchester klassische Melodien, dazu sang die Popera-Gruppe „Genesia“, und als es dunkel wurde, begann der Zauber.
Und was wurde getanzt? „Schwanensee“ (백조의 호수)! 🦢 Eine gemeinsame Aufführung des Seoul Ballet Theatre und des Slowakischen Nationalballetts – Korea und Europa Hand in Hand auf einer Bühne. Dazu „Das Blumenfest in Genzano“ vom Seoul Youth Ballet, ein „Grand Pas Classique“ des Tschechischen Nationalballetts und das temperamentvolle „Fiesta“. Schwäne, die über eine Bühne am Wasser schweben – wer hätte das gedacht.
Das Unvergesslichste aber war die Kulisse: Hinter den Tänzerinnen ragte der 555 Meter hohe Lotte World Tower in den Nachthimmel, oben ganz in Rosa und Violett angestrahlt, wie eine riesige leuchtende Nadel. 🗼 Davor die Lichter von „Lotte World“, auf dem See das gespiegelte Funkeln – und mittendrin weiße Tutus im Scheinwerferlicht. Großstadt und Märchen in einem einzigen Bild.
Und dann, ganz nebenbei, noch ein Augenzwinkern aus der Heimat: Gleich am See, beim Songpa-Touristeninformationszentrum, gibt es ein echtes „Paulaner“ – ein bayerisches Bräuhaus mitten in Seoul! 🍺 Nach Goethe und dem Trevi-Brunnen neulich nun also auch noch ein Stück München. Seoul legt uns wirklich an jeder Ecke ein kleines Stück Europa hin.
Ein Abend wie ein Geschenk: Schwanensee am See, der Turm in Rosa, ein Ballon in der Hand und ein Hauch von Bayern in der Luft. Manchmal ist das Glück ganz einfach – man muss sich nur ins Gras setzen und staunen. 💛
17. Oktober 2026 · Samstag · 🇰🇷 Seoul · Sinsa (신사)
Ein stiller Morgen in der Sinsa-Peter-Kirche
Heute früh hat es mich in eine große katholische Kirche gezogen: die Sinsa-Peter-Kirche (신사 베드로 성당) im Stadtteil Sinsa, eine Gemeinde der Erzdiözese Seoul. ✝️ Ein mächtiger Backsteinbau mit hohem Turm und schlichtem Kreuz – ruhig, fast menschenleer, ein Ort zum Durchatmen.
Über dem Eingang hing ein Banner: „Gott lädt dich ein – herzlich willkommen.“ Gemeint waren die „Yebija“ (예비자), die Täuflinge, die sich auf ihre Taufe vorbereiten. Mich hat berührt, wie selbstverständlich einladend das wirkte.
Drinnen dann diese Stille: lange Holzbänke, warmes Licht, ein schlichter Altar unter dem Kreuz. Man setzt sich – und wird ganz still.
Das Schönste aber war eine kleine Seitenkapelle: Eine Marienfigur steht vor zwei hohen Buntglasfenstern, und die Morgensonne malte durch das Glas einen ganzen Regenbogen auf den Steinboden. 🌈 Ich bin einen Moment einfach stehen geblieben und habe geschaut.
Im Treppenhaus entdeckte ich noch eine Reihe leuchtender Fenster mit der ganzen Heilsgeschichte – die Arche Noah mit der Taube, der Turm zu Babel, Mose mit den Gesetzestafeln –, und in der Mitte ein moderner, auferstandener Christus mit weit geöffneten Armen.
Dass ausgerechnet in Korea, dem Land der Tempel und Schamanen, so ein lebendiges katholisches Leben blüht, haben wir ja schon in unseren Geschichten über die roten Kreuze und das religiöse Mosaik erzählt. Heute durfte ich es ganz leise selbst spüren. 💛